ELK-1 ELK-2 ELK-3

Ich weiß zwar nicht, wie es mit den anderen LK’s aussieht, aber ich vermute stark, dass der Englisch Leistungskurs der mit Abstand chaotischste von allen ist. Immerhin sind wir die einzigen, die sich damit brüsten – oder gegenseitig bemitleiden– können, innerhalb von zwei Jahren von drei verschiedenen Lehrern unterrichtet worden zu sein, mit unterschiedlichem Erfolgs- und vor allem Beliebtheitsgraden.

In der 12 kamen wir zusammen, zehn Jungs und fünf Mädchen, fünfzehn verschiedene Schüler, die, obwohl sie sich größtenteils seit Jahren kannten und einige auch in der 11 schon den Vorleistungskurs besucht hatten, sich teilweise noch sehr fremd waren. Für Verwirrung seitens aller Lehrer sorgte von Anfang an die Tatsache, dass der Kurs von 2 Martin’s, 2 Helene’s und 3 Philip(p)’s besucht wurde.

Ein Jahr lang unterrichtete uns Markus Richter, dem es leider nie gelang, auch nur einen einzigen Schüler zu motivieren (was aber keinesfalls etwas über seine nette Seite außerhalb des Unterrichts aussagt!). Auch über seine Notengebung war man nicht immer zufrieden, was mich – eure heiß geliebte Autorin – am Ende des Schuljahrs zu einem heftigen Monolog entflammte. Um die faule Schülerschaft zumindest etwas begeistern zu können, machte Herr Richter mit uns Mitte April 2004 einen Ausflug. Wir besuchten zusammen die Stanley-Kubrick-Ausstellung im Filmmuseum, die uns ziemlich beeindruckte. Danach gingen wir an den Main um gemeinsam zu picknicken.

Das erste Jahr neigte sich dem Ende zu und Herr Richter entschwand nach Barcelona. Unser neuer Tutor hieß Wolfgang Koehler, der uns aus dem Grund übernahm, aus dem Herr Richter ging – Barcelona. Die Abschlussfahrt der Stufe führte uns nämlich genau dorthin. Spanien-Fan Koehler war bei den Jungs und mir von Anfang an beliebt, die anderen Mädchen waren nicht so begeistert. Unterrichtstechnisch war er nicht so erfolgreich, so erinnern wir uns mit Grauen (gell, Martin) an “Into The Wild“ zurück. Die sowieso schon hohe Fehlstundenrate der Schüler nahm drastische Ausmaße an – der kumpelhaft wirkende Lehrer mit dem lockeren Unterricht vermittelte uns (ungewollt) den Eindruck, dass es das Beste sei, morgens einfach auszuschlafen. Der Ratschlag, den Herr Koehler uns gab (“extra work means extra points“) bekam praktisch keine Beachtung. Dafür fand sich unter den schreibfaulen Schülern schnell viele Anhänger der “short but spicy“-Aufsätze. Eine neue Schülerin gesellte sich in der 13 zu uns, Evelyn Wimmer, die leider wiederholen musste. Sie war eins der „Vorbilder“ in Sachen Fehlzeiten und auf der Fahrt nach St. Pol de Mar/Barcelona nicht dabei. Der lockere Unterricht und die damit verbundene Atmosphäre und auch der Umstand, dass die ganze Stufe sich eine Woche lang in Spanien tagein, tagaus miteinander beschäftigen musste, führten zu einem stärkeren Kurs-Zusammenhalt.

Auch abends zusammen im „Plateau“ trinken gehen oder ein paar Wochen darauf ein gemeinsames Frühstück bei Lazo zu veranstalten verbesserte das Klima. In dieser Zeit hatten wir für ein paar Monate einen Gast. Andy Ward besuchte uns aus Amerika und wurde eine maßgebliche Stütze für Herrn Koehler, was dieser zumindest mehrfach betonte. Nach den Winterferien 04/05 verließen uns Evelyn, die von der Schule abging, und Andy, der zurück in die USA musste, wieder. Und Herr Koehler ließ die Bombe platzen: Auch er würde gehen, um zum Halbjahr an einer anderen Schule Rektor zu werden. Die darauf folgenden Wochen musste er sich Stunde um Stunde unsere Vorwürfe anhören,

„unsportlich“ traf ihn am meisten

Ab Februar bekamen wir unsere dritte Tutorin, Frau Eichhorn, die aus dem Mutterschaftsurlaub zurückgekommen war. Der Kurs, der unter den beiden Vorgängern zu einer Gruppe von Leistungsverweigern entwickelt hatte, wurde zum ersten Mal gefordert, was nicht gerade große Begeisterungsstürme zur Folge hatte. Viel mehr gearbeitet wurde auch danach nicht. Ein großer Fan war Frau Eichhorn von “group work“, das in annähernd jeder Stunde praktiziert wurde.

Ein besonderes Ereignis sollte das „Lern“wochenende (so der offizielle Titel) vom 11.02. bis zum 12.02. werden, das – wie es bei einer Horde Jugendlicher nicht anders zu erwarten war – in ein Saufgelage ausartete. In drei Gruppen aufgeteilt sollten die Halbjahre 12/I, 12/II und 13/I bearbeitet werden. Es lief jedoch darauf hinaus, dass sich in einem Zimmer die Interessierten (ich will ja keinen als „Schleimer“ titulieren) befanden, und den Worten von Frau Eichhorn über „Macbeth“ lauschten, während ich zusammen mit Martin Ullmann, Philipp Josif und Lukas im Nebenzimmer feierte. Später gesellte sich der Rest hinzu und abends ging ein Großteil des Pulks in die absolut abgefahrene Dorf-Disse “Underground“ zum tanzen. Und hätte Jeroen an diesem Abend nicht meine Speicherkarte in seinem Laptop versenkt, gäbe esauch ziemlich coole Photos… Ich fand auch heraus, wie man die Leute am besten abfucken kann: Mitten in der Nacht (bzw. wohl schon eher morgens), wenn alle besoffen und k.o. sind – ich auch, nebenbei – stundenlang hoch und runterzu hüpfen und „Wer hat noch Energie?“ zu singen. In gewisser Weise wurde das für den Kurs (oder zumindest einem Teil) zum Mantra.

Am nächsten Tag aufstehen war umso schwerer, trotzdem konnte sich der Kurs zusammenreißen und gemeinsam mit Frau Eichhorn und Herr Koehler lernen, wobei eine Gruppe absolut nichts vorbereitet hatte, was bei dieser Zusammenstellung keinen verwunderte (nichts gegen euch, Jungs, ihr wisst, ich bin auch nicht besser).

Und jetzt neigt sich mein Bericht dem Ende zu. In Erinnerung wird uns fünfzehn vieles bleiben. Unser Fehlstundenkönig ist Bo-Do, dicht gefolgt von Martin Ullmann und Philip Seibel, die dadurch jedes Mal mehr oder weniger erfolgreich Referate und Vorträge umgingen. Spitzenreiter in Sachen zu spät kommen sind Jeroen und Philip Breunung und legendär im Gedächtnis werden jedem die zahlreichen

Ausbrüche von Philipp Josif bleiben, die bei den Lehrern für Verärgerung, bei den Schülern jedoch für Schmunzeln sorgte.

Kleine Anmerkung: Ich weiß, dass der Bericht sehr subjektiv geschildert ist, aber ich kann auch nur davon berichten, was ich erlebt habe. Mir ist ebenfalls bewusst, dass ich das 12. Schuljahr nicht gerade intensiv beleuchtet habe, aber mein Langzeitgedächtnis ist nicht das beste und außerdem habe ich diese – vermutlich recht ereignislose – Zeit schön längst verdrängt.

Zum Schluss das übliche pathetische Gesülze, das ich nichtsdestotrotz durchaus ernst meine. In den zwei Jahren sind wir als Kurs mehr zusammen gewachsen, als ich es je für möglich gehalten hätte, wir haben uns viel besser kennen gelernt. Im Nachhinein finde ich, wir hatten, obwohl es natürlich teilweise auch ätzend war, eine ziemlich coole Zeit miteinander und ich gehe davon aus, dass jeder mir zustimmen würde. Ich persönlich wollte in keinem anderen Tutorenkurs gewesen sein, denn uns ist ja allen klar, wer die coolsten von allen sind!!

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