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Fast wie Geschwister

„Balu und Du“ bringt Balus, meist Bachelor- oder Lehramtstudenten, mit Grundschulkindern, die in einer prägenden Phase ihres Lebens stehen, zusammen. Die Kinder sollen den eigenen Bedürfnissen entsprechend gefördert werden.

 „Der schönste Tag war, als wir zusammen Fußball gespielt haben“, sagt der 10jährige Tunahan Aber auch der Ausflug in den Zoo ist ihm in besonderer Erinnerung geblieben, denn dort konnte er das Tigerbaby sehen und dem älteren Damon Majd viel über die Tiere beibringen.

Damon ist Tunahans Balu, sein Mentor, mit dem er sich im Rahmen des mehrfach ausgezeichneten Programms „Balu und Du“ über ein Jahr hinweg wöchentlich trifft. Gemeinsam gehen sie in das Struwwelpetermuseum, schauen Filme oder spielen mit Tunahans jüngeren Geschwistern.

Die Kinder kommen aus einer von vier Kooperationsschulen in Frankfurt und werden anders als bei vergleichbaren Programmen von den Lehrern und nicht den Eltern ausgewählt. Andere Teilnehmer sind Stipendiaten des Frankfurter Diesterwegstipendiums, das sich nicht nur an Schüler richtet, sondern sich um die Integration ganzer Familien kümmert. Den Kindern, die mehrheitlich, aber nicht zwangsläufig aus sozial schwächeren Familien stammen, wird in allen Lebenslagen assistiert. Auch die Albert und Barbara von Metzler-Stiftung beteiligt sich finanziell an dem Projekt, das seit 2002 besteht.

Mehrere Museen und Bildungseinrichtungen in Frankfurt und Umgebung unterstützen „Balu und Du“ ebenfalls. So können die Mentoren mit „ihren“ Kindern unter anderem umsonst in das Senckenberg- oder Struwwelpetermuseum sowie in den Palmengarten. Für weitere Ausgaben wie Eintritte oder Eis bekommt der Balu eine Zuwendung von zwanzig Euro im Monat. Man kann aber auch zuhause bleiben: „Shayne bat um ein richtiges Frühstück, also haben wir nachmittags um drei Spiegeleier gemacht“, erzählt Paola Widmaier, ehemalige Mentorin.

Die Balus, die in persönlichen Gesprächen ausgesucht werden, verfassen im Laufe dieser zwei Semester Onlinetagebücher, um über die Entwicklung der Beziehung zu reflektieren und werden in Begleitseminaren, in denen sie sich mit anderen Balus austauschen können, betreut. Die Betreuung der Moglis wird den Studenten als Praktikum angerechnet. Außerdem besteht die Hoffnung, dass sich das Duo auch nach Beendigung des Programms weiterhin trifft und das Kind in seinem Mentor immer einen Ansprechpartner hat. Laut Julia Schulz, Projektleiterin von der Goethe-Universität, ist das durchaus der Fall.

Und das Projekt wächst: Ehemalige Balus, die inzwischen Lehrer sind, holen das Programm an ihre neuen Schulen. Die nächsten Standorte werden Cloppenburg und Meppen sein.

Damon und Tunahan haben sich auf einem von „Balu und Du“ organisierten Fest kennengelernt, bei dem Tunahan sich unter den Bewerbern für drei Balus entscheiden durfte – und heute sind die beiden ein eingespieltes Team. Wer sich selbst engagieren möchte, findet alles Informationen dazu unter http://www.balu-und-du.de.

Das Photo stammt auch von mir.

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