DSC09548 DSC09549 DSC09550

Lässige Streetwear, die gut aussieht, muss nicht teuer sein – das beweisen die drei kreativen Labels, die wir euch vorstellen.

Kaufrauscher

Dem gemeinen Frankfurter kommen die besten Ideen beim Schoppen trinken. So erging es auch Alexander Frost und Thorsten Hormann. Eigentlich sind die Freunde Inhaber der 2004 gegründeten Werbeagentur Bembel GmbH, die hauptsächlich regionale Firmen betreut. Um sich kreativ auszutoben, wollten sie aber noch etwas anderes machen, das lokal und bodenständig sein sollte. Dann kam ihnen die Idee, frankfurtbezogene T-Shirts zu designen. Damit waren die beiden Pioniere, denn bis dato gab es außer den üblichen 08/15-Souvenirs keine kreativen Produkte. Ursprünglich sollten sie auch nur für die Mitarbeiter ihrer Agentur und gute Freunde sein. Dann wurden die Träger der T-Shirts so oft darauf angesprochen, dass sie beschlossen, dieses Modell auszuweiten. „Im Ausland assoziiert man Deutschland mit Bier und Lederhosen“, sagt Alexander Frost. Dabei ist doch gerade in Frankfurt die Apfelweinkultur so beliebt und traditionell sowieso. Um den Lokalpatriotismus augenzwinkernd zu unterstützen, entwarfen sie ihre eigenen Motive. Als Überraschungserfolg erwies sich eins der ersten T-Shirts mit dem „iGude“-Schriftzug, das nach wie vor ein Dauerbrenner ist.

Aber auch Motive, die tendenziell nur langjährigen Frankfurtern geläufig sind, verkaufen sich besser als erwartet. Wichtig ist Frost und Hormann, dass qualitativ hochwertige Materialien verwendet werden. Alle Klamotten sind biologische FairTrade-Produkte, die ohne Kinderarbeit hergestellt wurden.

Inzwischen gibt es neben Bekleidung auch Fußmatten, Aufkleber, Kindersachen, Feuerzeuge und Bembel zu erwerben. Eigentlich dachte Frost, die Ideen würden einem nach knapp zehn Jahren ausgehen. Dass dies nicht der Fall ist, beweist die neueste Kollektion, die sich ironisch mit bekannten Märchen auseinandersetzt, frankfurtbezogen versteht sich.

Clopen

Den Clopen Superstore gibt es bereits seit zehn Jahren. Der aktuelle Besitzer übernahm ihn im Jahre 2008. Das Konzept von Clopen ist doppelt gemoppelt: Tomik, der Inhaber, hat ein eigenes Klamottenlabel, die Kunden können T-Shirts nach Belieben aber auch selbst bedrucken. Somit sitzt Tomik quasi an der Quelle. Er kann seine Ideen beinahe umwegfrei von einen Tag auf den nächsten aus dem Hirn aufs T-Shirt drucken. Er hat nicht nur frankfurtspezifische Motive, sondern auch allgemeinere Sprüche im Repertoire. Trotzdem bezieht sich der Großteil seiner beliebten T-Shirts auf Frankfurt und insbesondere auch die Viertel rund ums Clopen, Bornheim, Nordend und Ostend. Neben Kleidung gibt es zusätzlich Gimmicks wie selbstentworfene Schlüsselanhänger und Geldbeutel, außerdem Vinyl-Toys der Firma Kidrobot.

Wer sich kreativ austoben möchte, ist bei dem Designer an der richtigen Adresse. Er produziert schon Auflagen mit nur einem einzigen Shirt, wer zehn oder mehr in Auftrag gibt, kann sogar das qualitativ hochwertige Siebdruckverfahren anwenden lassen. Außerdem hat der Kunde die Option, Kleidung aus Biobaumwolle zu verwenden. Auch bei Grafikproblemen steht er zur Hilfe.

Ziemlich einzigartig in Frankfurt ist die besondere Kooperation zwischen dem Clopen Superstore und den lokalen Künstlern. Letztere können im Schaufenster ihre selbst entworfenen T-Shirts ausstellen lassen und bekommen somit eine exklusive Plattform geboten. Öfter mal vorbeischauen lohnt sich, denn die Auslage wird regelmäßig gewechselt – Inspiration (fast) garantiert!

Stoff aus Frankfurt

Es gibt Labels, die produzieren T-Shirts, weil sie gut aussehen oder sich gut verkaufen. Und es gibt Labels, die neben kreativer Gestaltung vor allem auch Wert auf die Botschaft und den Support der Künstler legen. Mit dieser Motivation betreiben Jorge Labraña und Michael „Hazki“ Hazkiahu ihre 2010 gegründete Marke Stoff aus Frankfurt. Die beiden lernten sich vor vielen Jahren in einer Werbeagentur kennen. „Er denkt in Bildern, ich denke in Worten“, beschreibt Labraña diese perfekt funktionierende Partnerschaft. Gemeinsam möchten sie ein Bewusstsein für die Region erschaffen, daher wählten sie auch „kein schickes englisches Wort“ sondern Stoff aus Frankfurt als Namen für ihr Kreativlabel. Nahezu alle Produktionsvorgänge geschehen in der Heimatstadt – von der Entwicklung der Idee zur Gestaltung, Produktion und Verpackung.

Der Anspruch, den die Freunde an sich selbst stellen, ist ein hoher. Sie möchten aufmerksam machen auf die Gesichter dieser Stadt und zum Nachdenken anregen. Ein Beispiel aus einer aktuelleren Kollaboration ist Moses Pelham, dessen Konterfei ein T-Shirt von Stoff aus Frankfurt ziert: Labraña erklärt, wie wichtig Pelham für die Stadt und die bundesweite Musikszene sei. Er zählt auf, welche Musiker er im Laufe seiner Karriere unterstützt hat, die wiederum andere Künstler förderten, einer Art Familienstammbaum gleich. „Du musst Moses nicht mögen oder das T-Shirt kaufen, aber hör dir seine Geschichte an“, sagt der Inhaber.

Unbekanntere Frankfurter kooperieren ebenfalls mit dem Label, darunter Artists der lokalen Graffiti- und Street-Art-Szene, mit denen sie nicht nur T-Shirts, sondern unter anderem auch richtige Kunstwerke auf den Markt bringen. Labraña bemängelt, dass gerade die verdeckt lebenden Künstler keine Anerkennung bekämen. Zumindest in Frankfurt können er und Hazki einen Teil dazu beitragen, dass sich diese Wahrnehmung ändert.

Das gesamte Heft gibt es bei issuu.com online einsehbar.

Advertisements