Studierendenhaus

Der Umzug der Institutionen und Fachbereiche auf den Campus Westend ist fast vollständig abgeschlossen – nur das Studierendenhaus fehlt noch. Es steht einsam auf dem alten Campus in Bockenheim. Im Westend lässt man sich mit dem Bau aber Zeit.

Die Befürchtungen von David Malcharczyk sind nicht eingetroffen: Sowohl das Studierendenhaus als auch das Café KOZ auf dem Campus Bockenheim werden nach wie vor verhältnismäßig stark frequentiert, berichtet das Mitglied des AStA-Vorstandes. Er studiert Politik und Jura, wie so viele inzwischen ausschließlich auf dem Campus Westend. „Mein ganzer Alltag hat sich dadurch massiv verändert“, berichtet er. Wie ihm geht es zahllosen anderen Studenten. Es gibt zwar noch vereinzelte Lehrveranstaltungen in Bockenheim, doch die sind spätestens seit dem Sommersemester 2013 rar gesät. „Die Studenten haben immer noch einen starken Bezug zum alten Campus“, sagt David Malcharczyk. Das merkt er daran, dass allen Widrigkeiten zum Trotz der AStA im Studierendenhaus häufig aufgesucht wird. Doch  Probleme, die sich durch die Distanz zum Campus Westend ergeben, blieben nicht aus.

Diskrepanzen und Ressentiments, mit denen sich Studenten unterschiedlicher Fachbereiche einander begegnen, werden auf dem Campus Westend umso deutlicher. Den einen gefällt der neue Campus mit seinen Prestigeobjekten (beispielsweise den wechselnden Skulpturenausstellungen auf dem Rasen), andere möchten sich selbst ausdrücken und Einfluss nehmen. Daraus ergeben sich unvereinbare Positionen darüber, wie eine Universität sein sollte. David ist sich sicher, dass der AStA bei diesen Konflikten besser hätte intervenieren können, wäre das Studierendenhaus bereits umgezogen. Der Umzug jedoch lässt schätzungsweise drei weitere Jahre auf sich warten. Bisher wurde noch kein einziger Stein gelegt. Den ersten Planungen zufolge war eine Eröffnung für die Jahre 2003/2004 geplant, berichtet der AStA-Vorsitzende. „Wäre das Studierendenhaus damals tatsächlich gebaut worden, läge es jetzt zentral auf dem Campus.“ Stattdessen wird das Haus, das laut dem Präsidium der Universität voraussichtlich Anfang 2017 öffnet, am Rande des Campus, weit ab vom Schuss sein. Da der AStA im Gremium sitzt, das über den Baustil entscheidet, erhofft sich Malcharczyk ein Mitspracherecht, um durch eine optische Abgrenzung zu den restlichen Gebäuden wie beispielsweise dem Hörsaalzentrum zumindest Akzente setzen zu können. Bis es soweit ist, wird das Studierendengebäude weiter am gewohnten Ort bleiben. Ein provisorisches Büro für Serviceleistungen des AStAs wurde in der Nähe der Kindertagesstätte im Westend eingerichtet.

Der neue Campus wirke im Vergleich zu Bockenheim durch Zäune und Überwachungskameras sehr abgeschottet, während der alte zugänglich für alle mitten im Viertel liege. Die bereits bestehenden, studentisch verwalteten Freiräume auf dem Campus Westend, namentlich Anna Blume und Philosophencafé im IG-Farben-Haus, die Trinkhalle am Bremer Platz und das TuCa im Exil im neu eröffneten PEG-Gebäude, mussten seitens der Studenten hart erkämpft werden, bis sie diese durchsetzen konnten. David Malcharczyk hält Freiräume und ein Studierendenhaus für elementar. „Das zeigt den Studierenden, dass sie politischen Einfluss auf Sachen, die sie selbst betreffen, nehmen können. Außerdem lernen sie dadurch, sich selbst zu verwalten“, meint er. Die Entwicklung der Goethe-Universität in Frankfurt sieht er wie viele andere als problematisch an. Durch das modularisierte Bachelor-System zusätzlich verstärkt werde enormer Leistungsdruck auf die Studenten ausgeübt. Sie müssten schnell durchgeschleust werden, damit die Gelder des Landes fließen, weiß Malcharczyk zu berichten. Dabei sei die Haltung des Präsidiums nicht zielführend, es werde den Studenten „Lebensperspektive genommen“, statt ihnen die Möglichkeit zu geben, sich kreativ und innovativ zu betätigen. Den Konformitätsdruck solle man nicht unterschätzen. Die Funktion eines Studierendenhauses sieht der Aste als unerlässlich an. Dadurch würden kulturelle Aktivitäten gefördert und das politische Bewusstsein entwickelt, was auf dem Campus Westend zu kurz käme.

David Malcharczyk formuliert es so: „Universität muss mehr sein als das Ableisten von Leistung!“

Mehr Informationen zu den Freiräumen, die sich die Studenten auf dem Campus Westend erkämpft haben, findet ihr im aktuellen Uni-Journal, das kostenlos ausliegt. Außerdem gibt es darin 275 Tipps und Adressen, 17 Gutscheine und viele spannende Artikel rund um das Studentenleben in Frankfurt.

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