Girls 3x01

Bewertung: 6 von 9 Punkten

Im Staffelauftakt versuchen die vier Girls ihr Leben – mal wieder – in die richtige Bahn zu lenken. Das machen sie mehr oder weniger erfolgreich.

”My suspect you’ve had many, many experiences. Too many probably for someone of your age.” – “I’ve had fun.” – “It wasn’t always fun, was it?” – “No”.

Jessa ist ohne ihren Freundinnen ein Wort zu sagen verschwunden und befindet sich jetzt in Reha. Leider führt sie sich hier nach wie vor wie das kleine, vorlaute Kind auf, das sie zwei Staffeln lang war. Anstatt die Probleme in der Gruppentherapie ernst zu nehmen, macht sie sich über Themen wie Vergewaltigung lustig. Jessa wäre allerdings nicht Jessa, wenn es nicht doch hin und wieder einen Funken Wahrheit gäbe, wie beispielsweise ihrer Kritik dem weinerlichen Kelvin gegenüber.

Als sie sich mit einem älteren Insassen unterhält, der ihr sagt, sie habe wie alle anderen auf dieser Welt “daddy issues“, scheint sie das erste Mal über sich selbst zu reflektieren. In der Szene wirkt sie ruhig und in sich gekehrt und entschuldigt sich danach doch tatsächlich bei der Frau, die vergewaltigt wurde und die Jessa mit der Aussage, sie sei lesbisch, vor der ganzen Gruppe bloßgestellt hatte. Die Entschuldigung, die immerhin halbwegs echt wirkt, nutzt sie schnell aus, um über sich selbst reden zu können. Trotzdem wäre das eine Weiterentwicklung ihres Charakters, würde sie nicht sofort wieder in das typische „Erfahrung auf Teufel komm raus“-Verhalten verfallen und die Frau nicht nur zu küssen, sondern ihr sogleich auch die erste sexuelle lesbische Erfahrung bescheren. Das ist der Knackpunkt, der für mich auch einen Kritikpunkt darstellt – “Girls“ versucht als Serie zu schocken wie es der Charakter Jessa innerhalb des Serienuniversums immer tut. Und es wirkt doch ein bisschen zu aufgesetzt, zu viel. Sei’s drum, Jessa hat erreicht, was sie vordergründig angeblich wollte und wird aus dem Rehabilitationszentrum geschmissen. Die letzte Szene, in der sie durch den Flur und ins Treppenhaus stürmt, sieht sie allerdings nicht glücklich darüber aus. Weiß Jessa insgeheim, dass sie sich immer mehr ihr Leben verbaut?

“I’ve changed my whole life. I’m doing everything differently!”

Der Ausstieg von Christopher Abbott, der Charlie darstellte, ändert natürlich das Happy End, das Marnie im vergangenen Staffelfinale beschert wurde. Nachdem sie sich zuvor die ewige Liebe geschworen haben, sitzt Marnie nun wieder alleine da. Und auch wenn sie ihrer nervtötenden Mutter versucht zu erklären, wie gut sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen habe, wirkt es eher wie das Gegenteil. Inzwischen kellnert sie bei Ray und Hannah – gerade in den USA ist das aber ein übler Abstieg im Vergleich zu ihren vorherigen Jobs. Aber noch viel schlimmer ist, dass sie bei ihrer Mutter auf dem Sofa wohnt, obgleich sie genau diese Umstände versucht, schönzureden. Eine einsame Marnie mitten im Nirgendwo (New Jersey? Queens?), die an der Bushaltestelle auf einen Bus wartet, der nicht zu kommen scheint, ist wie eine Metapher für ihr derzeitiges Leben.

Einzig Adam, den sie bisher überhaupt nicht leiden konnte, scheint sie bei dem Abendessen unter Freunden aus ihrer Lethargie zu holen und ihr wieder etwas Kraft zu geben. Hoffen wir, dass das von Dauer ist.

“I just hope that you two enjoy the fucking life that you’ve chosen.“

Auch Hannah besucht die Therapie um wieder in die Spur zu kommen. Bei ihr scheint das zusammen mit der Beziehung zu Adam sogar zu fruchten, der sich wirklich rührend um sie kümmert. In den Anfangsszenen sehen wir die beiden harmonisch und vereint wie nie. Natürlich hält aber diese Harmonie in “Girls“ nicht lange an und so kommt es zu dem peinlichen Zusammentreffen zwischen Natalia mit Freundin und Adam und Hannah im Café – ironischerweise direkt nachdem Ray sagte, in dieser großen Stadt würde man niemanden sehen, dem man aus dem Weg gehen wollte.

Zum Glück ist Natalia nicht schwanger! Das wäre als Handlungsstrang viel zu übertrieben gewesen und hätte etwas soapartiges gehabt. Trotzdem ist die Szene peinlich – fremdschämen! – und kraftvoll zugleich. Mich erstaunt, dass Hannah diese Begegnung (augenscheinlich) so leicht wegsteckt, sowohl die ausführlichen Beschreibungen, wie Adam seine Ex-Freundin behandelte als auch die negativen Prognosen von Natalia über ihre Beziehung und Zukunft. Große Anerkennung geht hier an Siri Appleby, die den Schwenk von irritiert und beschämt zu sauer, emotional und erniedrigt sehr gut und glaubhaft darstellt.

Für Hannah geht es auch beruflich zum ersten Mal erfolgreich voran. Ihre mentale Krankheit scheint Herausgeber nicht zu stören, er zeigt im Gegenteil Verständnis und möchte natürlich, dass sie ihren Zusammenbruch literarisch verarbeitet. Hannahs erstes Kapitel soll bald online erscheinen und ihr Schreibstil wird gelobt. Sie versucht, durch ein Abendessen auch nach außen hin wie eine stabile, erwachsene Frau zu wirken.

Fazit

Shoshanna darf ganze drei Sätze sagen und ist mal wieder zum Lückenfüller degradiert, schade. Ansonsten ist dies eine unterhaltsame Episode, der es allerdings noch etwas an Schwung und Handlungsdichte fehlt. Und von der so oft beschrieenen Weiterentwicklung der Mädchen ist noch nicht viel zu sehen.

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