Girls 3x02

Bewertung: 7 von 9 Punkte

In der neuesten Episode bekommen die Zuschauer eine Konstellation zu sehen, die es bisher so noch nicht gab und wunderbar funktioniert: Adam, Hannah und Shoshanna machen sich gemeinsam auf einen Road Trip, um Jessa aus der Klinik zu holen.

”Wooow, when was the last time an addict lied?”

Adam wird in dieser noch jungen Staffel zum Sympathieträger der Serie. Wo er früher der Psycho war, unangenehm oder im besten Fall einfach nur merkwürdig, ist er jetzt zu einem Grundpfeiler in Hannahs Leben geworden. In der letzten Folge ertrug er stoisch das Abendessen, auf das er keine Lust hatte, in dieser kutschiert er zwei laut singende Mädchen durch halb Amerika. Da kann ihm keiner verdenken, dass er entnervt das Radio ausschaltet. Reflektierter als Hannah und Shoshanna zusammen ist er auch und erkennt als einziger, dass es vielleicht nicht zu Jessas Gunsten wäre, sie aus der Klinik mitzunehmen. Am Ende bietet ausgerechnet Misanthrop Adam Jessa seine Hilfe an.

Die Szenen mit Shoshanna und Adam sind unverhofft, aber wirklich amüsant und erinnern ein bisschen an die ungewöhnliche Kombination Adam und Ray in 2×06 Unerfüllte Erwartungen. Mit den beiden zusammen ergeben sich lustige Szenen wie das gemeinsame Wandern im Wald, dem Hannah naturgemäß nichts abgewinnen kann. Auch der Versuch, Adam zum Wahrheit-oder-Pflicht-spielen zu überreden und Shoshannas Gesichtsausdruck als er sagt, er kenne das Spiel gar nicht, sind Gold wert.

Shoshanna hat sich währenddessen seit ihrer Trennung optisch verändert, hat den kindlichen Kleidungsstil abgelegt und hält ihre Lindsay Lohan-Sonnenbrille offensichtlich für das absolute must have dieser Saison. Trotz ihrer Weiterentwicklung und dem erwachsen werden bleibt sie sich in vieler Hinsicht aber treu, so dass die selbstbewusstere Shoshanna eine realistische Folge des älter werdens ist und nicht unecht wirkt. In der kurzen Szene, in der sie versucht, „cool“ zu sein und zu rauchen, sieht man deutlich, dass sie nach wie vor jung und unerfahren ist, auch wenn sie sich bemüht, das zu überspielen.

“I know that she is beautiful and glamorous, but she has like a deep well of sadness inside her that most people don’t detect.”

Okay, Hannah hat beruflichen Erfolg, aber muss sie deswegen ihr ganzes Leben gleich literarisch verarbeiten? Diese “Girls“-typische Selbstbezogenheit treibt einen manchmal in den Wahnsinn. So beschwert sie sich, dass der Road Trip nicht aufregend genug wäre und übersieht dabei, dass es eigentlich darum geht, Jessa zu helfen und nicht, Jack Kerouac-mäßige Abenteuer zu erleben.

Erstaunlich reflektiert erweist sie sich allerdings in der Szene mit Shosh im Hotelflur. Shoshanna, die ihre Cousine schon immer vergötterte, schafft es nicht, sie auch nur annährend realistisch einzuschätzen und vergleicht sie mit einem Celebrity. Hannah findet einen tieferen Zugang zu Jessa und scheint als einzige zu verstehen, was in ihr vorgeht. Interessant ist aber auch, wie Hannah von Shoshanna eingeschätzt wird. Als Hannah beschreibt, wie sie Jessa heimlich hat weinen sehen, weil sie nicht alleine sein wollte, sagt sie sehr trocken: „You were probably the one who was crying.“ Und somit beweist Shoshanna, dass sie ihr Umfeld, von Jessa abgesehen, gut einschätzt, denn sie hat Recht: In dieser Geschichte könnte es genauso gut um Hannah gehen.

Shoshanna ist derweil an einem Punkt in ihrem Leben, den die anderen Mädels schon hinter sich haben. Sie steht vor dem Collegeabschluss. Weiter wird das bisher noch nicht thematisiert, aber es ist schön, dass sie außer ihrer Beziehung zu Ray auch mal einen eigenen Handlungsstrang bekommen wird (wie ich vermute).

“And it made me remember what it was like in College when you’d say ‘Oh, meet me at the Free Palestine! party and then I find out your over at the Israel house!”

Jessa währenddessen tut mir zum ersten Mal leid. Sie scheint in ihrem ganzen Leben nur wenige Menschen zu haben (wenn überhaupt), bei denen sie sich fallen lassen kann und auf die sie baut. Jasper, der ebenfalls in der Entzugsklinik ist, war in den letzten Monaten ihre einzige Vertrauensperson. Das wird in der Szene, in der sie unschuldig auf seinem Bett schläft, ganz klar. Und genau er, der so oft von seiner Tochter redet, die in Jessas Alter ist, versucht jetzt, sie auf die denkbar plumpeste Art zu verführen. Was für eine Enttäuschung und das in einer Beziehung, die bis dato rein war und in der Jessa nicht versucht hat, zu schocken und „krass“ zu sein. Eine Person wie Jessa kann nur eine Lehre daraus ziehen: sich anderen Menschen nicht zu öffnen und dadurch verletzlich machen.

Es ist übrigens typisch Jessa, dass sie sich abholen lässt, obwohl ein Flughafen in der Nähe ist aber zumindest in der Hinsicht fand ich sie mehr amüsant als arrogant. Die Szene, in der Hannah Jessa mit ihrem Verhalten konfrontiert, birgt viel Tragikomik. Auch wenn sie gerade in Reha ist, kann Hannah sich mit den Vorwürfen nicht zurückhalten und trotz der Situation kann man ihre Wut und die Frustration sehr gut nachvollziehen. Sie wurde schon öfter von Jessa enttäuscht und beweist dennoch, dass sie ihr eine gute Freundin ist und nach Monaten ohne Kontakt aufgrund eines Anrufs sofort ins Auto springt um sie abzuholen. Jessa bleibt dabei ganz ruhig und auch man bekommt das Gefühl, dass die Therapie vielleicht doch Früchte trägt. Die Versöhnung, initiiert von Hannah, wirkt unbeholfen, aber dadurch umso echter. Und Jessa scheint langsam zu begreifen, wie sich ihr gedankenloses Handeln auf andere auswirkt.

“You’ve got to come over and see Marnie’s new shitbox.”

Marnie lässt ihren Worten vergangener Episode Taten folgen und versucht weiterhin, ihr Leben zu regeln. Auch wenn die Mutter über die neue Wohnung lästert – immerhin ist es wieder eine eigene Wohnung und nicht Mamas Sofa in New Jersey! Viel mehr erleben wir von ihr nicht, sie nimmt in der Hinsicht also dieses Mal Shoshannas Rolle ein. Ist für vier Girls kein Platz in der Serie?

Auf die Aufklärung, wie es dazu kommt, dass Marnie und Hannah wieder befreundet sind, wartet der Zuschauer weiterhin. Ich vermute mal, dass das mit Hannahs genereller Heilung selbsterklärend sein soll.

Fazit

Eine durchaus unterhaltsame Folge, die etwas stringenter ist als der Staffelauftakt, die aber in Sachen Handlungsdichte und Spannung noch Luft nach oben übrig lässt. Möglich, dass Jessas Rückkehr nach New York genau dies zukünftig verbessert.

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