Girls 3x03

Weniger ist manchmal mehr. Diese Weisheit ist vielleicht etwas asbach, wird aber immer wieder bestätigt. In dieser Folge “Girls“ sind zu viele Verrückte. Und zwar so viele, dass es keinen Spaß mehr macht, sondern nervt.

“You’re insane. You can wipe your nose with some toilet paper than you can fucking get lost.”

So wenig wie wir von Adams Privatleben wissen, erfahren wir in dieser Folge, dass er eine Schwester namens Caroline hat. Adam warnt Hannah vor, sie solle die Schwester nicht in der Wohnung schlafen lassen. Doch natürlich macht Hannah genau das und siehe da – es war ein Fehler, denn die Schwester stellt sich als labile, gestörte Person heraus. Und leider ist sie das auf so aufgesetzte Weise, dass sie weder amüsiert noch schockiert, sondern einfach nur nervt. Die subtile Verrücktheit von jemandem wie Adam, der als Liebesweis Hannah eine Kette mit seinem Milchzahn schenkt (brrrr!) gefällt mir da viel besser, denn sie erscheint in einer Stadt voller Neurotiker viel realistischer. Auch Ray, der sich zu sehr wegen eines Liedes aufregt, passt perfekt zu den eigentlichen Protagonisten der Serie, da er „normal verrückt“ ist.

Hannahs Geburtstag macht einen Großteil der Folge aus. Obwohl es ihr Ehrentag ist, dreht sich die Handlung auf der Party aber eher um andere Charaktere. Caroline ist auch hier absolut überflüssig, die minutenlange Tanzszene spult man spätestens beim zweiten Mal vor und auch ihr Biss ist weder originell noch “edgy“.

David, Hannahs Agent, den wir bisher nur am Rande kennengelernt haben, spielt in dieser Folge auch eine zu große Rolle. Wie Caroline dreht er völlig durch und unterhält aber genauso wenig, sondern nervt. Vielleicht sollten die beide zusammen in den Sonnenuntergang reiten und die Serie wieder in Ruhe lassen. Da Caroline am Ende der Folge aber nackt einen Zusammenbruch hat (beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit sie das Glas zerquetscht), werden wir sie wohl leider weiterhin ertragen müssen.

”What better thing to do on this night than to celebrate the birth of one of my personal favorite people on the entire planet.”

Die (Aus-)Lacher der Woche hat Marnie mit dem Musikvideo auf ihrer Seite. Toll, wie die Serie die typischen Girlie-Klischees auf die Schippe nimmt. Innerhalb der Welt der Girls verstehe ich aber nicht, wie Marnie ernsthaft diesen Clip drehen konnte. Es ist kein Wunder, dass sie nicht will, dass die ganze Welt ihr Video sieht.

Um einige Ecken peinlicher ist aber Marnies Auftritt auf der Bühne an Hannahs Geburtstag. Die kleine Rede, in der sie Hannahs quasi als Lieblingsmenschen bezeichnet, weiß ich absolut nicht einzuschätzen: Ist Marnie so oberflächlich, dass sie meint, Lügen vor allen erzählen zu müssen oder glaubt sie trotz allem, was geschehen ist, wirklich an ihre eigenen Worte? Hannah ist zwar etwas gerührt, aber vor allem skeptisch. Sie scheint ihre nicht allzu weit zurückliegende Vergangenheit nicht verdrängt zu haben. Marnie erinnert sich an den Moment, als sie und Hannah vor einigen Jahren zusammen Karaoke sangen als den glücklichsten ihres Lebens und versucht krampfhaft, diesen Augenblick zu wiederholen. Obwohl Hannah von vornerein sagt, dass sie nicht singen möchte, bittet Marnie sie zu sich auf die Bühne. Wie traurig und leer muss Marnies Leben sein, wenn sie so verbissen alte, glückliche Erinnerungen erneut erleben möchte? Das kann doch nicht funktionieren. Hannahs Miene spricht Bände. Während Marnie lacht und sich über die Aufmerksamkeit aus dem Publikum freut, ist Hannah nur sauer. Der Moment offenbart in aller Heftigkeit, wie fremd die besten Freundinnen sich jetzt sind.

“You’re here for…?“ – “Hannah’s birthday..!?“ – “Hannah’s birthday, right, of course, me too.” – “Right. Makes sense.” – “Makes sense.”

Mich erstaunt ein bisschen, dass Ray auf der Party ist. Weder Shoshanna noch Marnie werden sich sonderlich darüber gefreut haben, ganz zur Stimmigkeit der Storyline passt das leider nicht. Und natürlich – New York scheint keine 20 Einwohner zu haben – lernt er zufällig ausgerechnet den Typen kennen, den Shoshanna jetzt datet. Erinnert etwas an die zufällige Begegnung zwischen Adam und Natalia zwei Folgen zuvor. Natürlich ist das in einer kleinen Bar wahrscheinlicher, in der sich wegen Hannahs Geburtstag fast alle Besucher kennen, trotzdem wirkt dieser Zufall zu konstruiert.

Viel authentischer ist das Gespräch auf der Straße zwischen Ray und Shoshanna, das doch recht unangenehm für beide, aber auch ein wenig traurig ist. Der Small Talk ist eine Mischung aus zeigen, was man (in dem Fall Ray) erreicht hat, eine kurze Zusammenfassung der letzten Wochen, ein bisschen Rumgestottere und ist dadurch echt und kann berühren. Auch das abrupte Abbrechen von Seiten Rays passt dazu und zeigt die Distanz, die sich zwischen dem ehemaligen Paar bereits aufgebaut hat. Weniger ist manchmal mehr.

Fazit

“She Said OK“ ist eine Folge, die durch ihre übertriebenen Szenen und Nebencharaktere sehr schwach wird und zu den schlechtesten der Serie gehört. Nur die ruhigen Momente, in denen es um die zwischenmenschlichen Konflikte und Beziehungen zwischen Hannah/Marnie, Adam/Hannah und Shoshanna/Ray geht, retten diese Episode. Hoffen wir auf nächste Woche und darauf, dass wieder ein Gang zurückgeschaltet wird.

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