DSC00195 DSC00196 DSC00198

Kulturelle Vielfalt mit Dorfatmosphäre – Bornheim, unter Frankfurtern liebevoll „Bernem“ genannt, ist das wohl populärste Viertel der Stadt.

Ein beliebtes Streitthema unter Frankfurtern sind die Grenzen, die das Quartier des „lustigen Dorfes“ Bornheim markieren. Gehört die Berger Straße jetzt zum Nordend oder zu Bornheim? Ist der Prüfling schon Seckbach, die Wittelsbacher Allee Ostend? Aber fern dieser bürokratischen Fragen ist es – wie das neu-deutsche Wort so schön beschreibt – das “Feeling“, das Bornheim ausmacht. Und ja, die obere Berger Straße führt durch Bornheim, während die untere zum Nordend gehört.

Eigentlich ist die Berger Straße auch das Aushängeschild Frankfurts für alle, die fern der bekannteren Zeil Modeläden und Restaurants erleben wollen, die nicht zu Ketten gehören. Mit dem Abwandern des Saturns und den dadurch ausbleibenden Kunden stehen die Betreiber aber vor der Herausforderung, die hohen Mieten weiterhin bezahlen zu können. Hier, so kann unzweifelhaft prognostiziert werden, wird es in den nächsten Jahren große Veränderungen geben.

Was bleiben wird, ist das Flair in den Seitengässchen der Verkaufsmeile. Ungewöhnlich für ein Viertel, das so nah am Stadtkern liegt, grüßen sich hier die Menschen auf der Straße. Der Begriff „lustiges Dorf“ hat aber einen anderen, historischen Hintergrund. Bis zur Eingemeindung im Jahre 1877 war Bornheim von Frankfurt unabhängig und bekannt für seine leichten Mädchen. Viele Frankfurter zog es also scharenweise nach Bornheim, um sich dort zu vergnügen und schoppenweise Apfelwein zu trinken. Auch heute ist Bornheim neben Sachsenhausen das Viertel mit den meisten und bekanntesten Apfelweinwirtschaften.

Optisch ist Bernem ein sehr vielfältiges Quartier. Im südlichsten Gipfel am Bornheimer Hang gibt es – und das mag manche Frankfurter überraschen – eine Siedlung, die in den 1920er Jahren von dem pragmatisch denkenden Stadtplaner Ernst May entworfen wurden. Das Kontrastprogramm bieten die Wohnungen am Günthersburgpark, die die Grenze von Nordend-Ost und Bornheim markieren. Dort sind viele Altbauten aus der Gründerzeit erhalten. Rund um Bornheim Mitte hat es enge Gässchen, in denen es ebenfalls noch Bausubstanz aus dem 19. Jahrhundert gibt, und ein paar vereinzelte Fachwerkshäuschen tummeln sich ganz oben auf der Berger Straße. Aufgrund seiner geographischen Enge und Beliebtheit ist Bornheim eines der am dichten besiedelten Viertel Frankfurts.

Kulinarisch gesehen hat Bernem außer Apfelwein einiges zu bieten: Jeden Mittwoch und Samstag gibt es am Uhrtürmchen den beliebten Wochenmarkt. Die Weiße Lilie, eine urige Kneipe mit spanischen Tapas ist hier zu finden, ebenso der wohl beste Koreaner der Stadt, das Sonamu und verschiedene vegane Restaurants, darunter den Bio Spahn, einem Metzger, der veganes Essen anbietet! Sowas gibt’s nur in hier.

Wer danach die Kalorien wieder abtrainieren will, kann im Kiez bleiben: Neben der Turngemeinde Bornheim, mit rund 25.000 Mitgliedern der größte Sportvereins Hessens, gibt es die Eissporthalle, das Panoramabad und einen eigenen Fußballverein: Der FSV Frankfurt spielt sogar in der 2. Bundesliga.

Ein Mal im Jahr trifft sich die ganze Stadt zur Bernemer Kerb, die für eine Woche im August rund um die Johanniskirche gefeiert wird. Traditionell wird am Samstag der Bernemer Kerb in aller Herrgottsfrühe der Kerbbaum eingeholt und auf dem Festplatz aufgestellt. Danach findet ein großer Festumzug durch die Straßen Bornheims statt. Auch die Dippemess‘ vor der Eissporthalle, ein Volksfest mit Jahrmarktcharakter, zieht im Frühjahr und Herbst Besucher der ganzen Region an.

Bornheim hat sich aus diesen Gründen zu einem der beliebtesten Viertel in Frankfurt entwickelt. Das merken Anwohner und Wohnungssuchende auch an dem typischsten Problem in Frankfurt: Die Mietpreise in Bornheim sind in den letzten Jahren stark angezogen.

Advertisements