Die Mutter

Acht Jahre sind eine lange Zeit, um eine ganz konkrete Vorstellung zu einem bis dato noch nicht gezeigten Seriencharakter zu entwickeln. Und aufgrund dieser Erwartungshaltung ist es fast unmöglich, die Fans nicht zu enttäuschen. Doch aller Widrigkeiten zum Trotz gelang den Serienschöpfern Carter Bays und Craig Thomas das Unmögliche: Die Mutter in How I Met Your Mother gehört zu den sympathischsten Protagonisten der gesamten Season 2013/14. Das ist zum einen der zauberhaften Cristin Miloti zu verdanken, zum anderen auch den Drehbuchautoren, die diese Figur so schön geschrieben haben. Das Ergebnis ist eine Mutter, die es schafft, auch die kritischsten Fans glücklich zu machen.

I must have heard your mother’s version of “La vie en rose” a million times over the years. […] That performance, that first night I ever heard her sing, that one will always be my favorite.

Im Verlauf der letzten Staffel erleben wir Ted und die Mutter (deren Name, wie im Finale enthüllt wird, übrigens „Tracy“ lautet) zwar nie in der Gegenwart der Serienrealität, aber dafür in der Zukunft und bekommen so wichtige Momente wie den Heiratsantrag oder die Geburt der Kinder mit. Dadurch, dass der Zuschauer während dieses letzten Jahres von How I Met Your Mother auch viel über das Leben der Mutter vor Ted erfährt, ist sie nicht lediglich sein Anhängsel, sondern ein voll entwickelter Charakter mit eigener Vergangenheit und Persönlichkeit und mit einer gesunden Portion Selbstironie.

Ein geschickter Schachzug war es, auch der Mutter eine erste große Liebe und somit einen Ausgleich zu Robin zu geben. Und diese erste große Liebe endet unglaublich tragisch – an ihrem 21. Geburtstag bekommt sie die Nachricht, dass er bei einem Unfall verstorben ist. Jahrelang kommt die junge Frau nicht über den Verlust hinweg, bis sie Louis kennenlernt und versucht, mit ihm eine Beziehung aufzubauen. Doch als Louis der Mutter am Wochenende von Robins und Barneys Hochzeit einen Heiratsantrag macht, beschließt sie doch, ihn zu verlassen. Alleine auf ihrem Balkon sitzend spielt sie „La vie en rose“ – und Ted, der sie zwar nicht sehen, dafür aber hören kann, ist zutiefst gerührt davon. Es ist einer der Augenblicke, die nur umso mehr verdeutlichen, wie gut die beiden zusammenpassen. Unter diesen Umständen, kurz nach der Trennung von der Mutter und Louis und der Heirat von Teds geliebter Robin, kommt es zum ersten Date (das Ted wichtig genug ist, um nicht nach Chicago zu ziehen!). Das Treffen ist perfekt inszeniert, in einer Mischung aus leicht steif, denn die beiden kennen sich ja noch nicht, auch vorsichtig, da sie ihre eigene Vergangenheit mit sich tragen und dennoch voller Witz und Chemie (denn hey!, es ist Schicksal!).

Auch in der Interaktion mit Lily, Marshall, Robin und Barney, die alle vor Ted die Mutter kennenlernen, überzeugt sie. Robin, die kurz vor ihrer Hochzeit leichte Panikattacken hat, beruhigt sich dank der freundlichen Worte der Mutter wieder. Noch wichtiger aber ist das Gespräch zuvor mit Barney, der sie als erstes trifft. Barney, der traurig wegen Robin ist, versucht, die Mutter anzubaggern. Diese reagiert gelassen, da sie erkennt, dass er im Grunde nur Ablenkung sucht. “It’s gonna be okay“, sagt sie zu ihm und dann den Schlüsselsatz: “Do you want to keep playing or do you want to win?“, der Barney klar macht, dass er um Robin kämpfen muss. Dank ihrer unglaublichen Empathie trifft die Mutter in dem kurzen Gespräch den Kern von Barney, der (zum Glück) dadurch gänzlich aus seinem Konzept gebracht wird.

You see, kids, right from the moment I met your mom, I knew I had to love this woman as much as I can for as long as I can and I can never stop loving her, not even for a second.

Nachdem die Zuschauer sich eine ganze Staffel davon überzeugen konnten, dass die Mutter wirklich großartig ist und nicht für Ted durch seine typisch romantisch-verklärte, rosarote Brille nur so wirkt, sind die letzten Minuten der Serie wie ein Schlag ins Gesicht für alle Fans. Nicht nur, dass auch die gesamte Liebesgeschichte von Robin und Barney im Nichts verpufft, aber dass am Ende doch Robin und nicht die Mutter die Auserwählte sein soll ist wirklich ein starkes Stück. Wie viele andere Fans sah ich fassungslos das Finale der Serie. Das Hin-und-Her mit Robin im Laufe der Jahre wirkte oft zäh und anstrengend, während die Beziehung von der Mutter und Ted – neben Lily und Marshall natürlich – die schönste von How I Met Your Mother war. Und so mache ich es wie die meisten Zuschauer auch: So tun, als hätten die letzten Momente der Serie nie stattgefunden. Für mich ist die Mutter ein wunderbarer Charakter, der freundlich ist ohne langweilig zu sein, witzig, dabei aber nicht in den Slapstick abdriftet, weise, jedoch niemals altklug und die beste Frau, die man sich für den Romantiker Ted hätte wünschen können.

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