Damon und Elena

Es ist das ewige Dilemma mit den On/Off-Beziehungen in Fernsehserien: Während das ganze “Bekommen sie sich oder bekommen sie sich nicht“-Spiel zunächst zu den spannendsten Storylines der Serie gehört, gibt es einen bestimmten Zeitpunkt, ab dem die (Nicht-)Beziehung des Paares nur noch nervt. Den Fehler, diesen Handlungsstrang zu weit zu treiben, haben bereits die Drehbuchautoren zahlloser Serien gemacht – und bei Vampire Diaries spätestens seit dieser Staffel auch.

Of course I’m still mad at you because being around you drives me nuts, and not being around you drives me nuts.

Als ehemaliger Delena-Shipper, wie es im Jargon so schön heißt, war ich die ersten beiden Seasons hingerissen von der im Verborgenen keimenden Liebesgeschichte, prickelnden Momenten zwischen den beiden und natürlich auch von Damon himself. Die dritte Staffel wirkte in dieser Hinsicht schon etwas zäher, aber immerhin lebte sie noch davon, dass es endlich zu ersten Küssen zwischen dem Pärchen kam. Ab Staffel vier, zeitgleich mit der Beziehung von Elena und Damon, ging es steil bergab mit der Spannung rund um das Liebesdreieck. Das hatte mehrere Gründe: Zum einen wirkt generell eine unerfüllte Liebe auf den Zuschauer oft fesselnder, zum anderen sprang Elena zu oft zwischen beiden Brüdern hin und her und machte somit die Liebe zur Damon UND Stefan unglaubwürdig und außerdem verkam Elena immer mehr zu einem nervtötenden Charakter und Damon zu einem ihr hinterherrennenden Weinerling. Im Staffelfinale traf sie dann die Entscheidung, mit Damon und nicht mit Stefan zusammen zu sein.

Unter diesen Voraussetzungen begann die aktuelle Season. Nun leben wir natürlich nicht in Mystic Falls, sondern in der Realität. Und in der Realität bekommt man Sachen mit, die mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben – so beispielsweise, dass Ian Somerhalder und Nina Dobrev sich getrennt haben. Vielleicht ist es nur Einbildung weil man darum ja weiß, aber die Szenen von Anfang der 5. Staffel, in denen beide wie wild rumknutschen, wirken ziemlich (in Ermangelung eines passenden deutschen Wortes) “awkward“. Aber selbst wenn man dies zu vergessen versucht und sich gänzlich auf die Serie einlässt, blieben auch innerhalb dieses Universums viele Dinge, die nicht einfach ignoriert werden können: So übersehen Damon und Elena in ihrer glücklichen kleinen Welt vollkommen, dass Stefan verschwunden und Bonnie (zumindest temporär) tot ist. Wie heißt der schöne Spruch? Bei so Freunden braucht man keine Feinde… Wenig später dreht sich der Spieß um: Keiner bemerkt, dass Katherine Elena mimt, auch Damon nicht, der erst viel später erfährt, dass er von Katherine und nicht von Elena verlassen wurde. Das nennt sich wahre Liebe, was?

Neben der ganzen Doppelgänger-Geschichte, die in dieser Staffel in ihrer Übertriebenheit nur noch zu Augenrollen veranlasste, nervten auch Damon und Elena mit ihrem ewigen “Wir trennen uns jetzt endgültig weil einer von uns beiden dem anderen nicht gut tut“. Die Trennungsszenen waren durch die Bank unglaubwürdig und riefen keinerlei Emotionen beim Zuschauer hervor, vor allem, weil sie zumeist eine oder zwei Episoden später wieder revidiert wurden. Insgesamt war das eine schwache Staffel von Vampire Diaries: Die Geschichte um Silas und Qetsiyah konnte genauso wenig überzeugen wie die um Dr. Maxfield, der Tod wurde so oft ausgetrickst, dass er endgültig lächerlich gemacht wurde, die Freundschaftsszenen waren mau und Damon und Elena nichts als anstrengend. Unter diesen Bedingungen waren die letzten Minuten des Finales eine positive Überraschung: Elena hat sich (mal wieder) für Damon entschieden und ist bereit, ihm bis in den (mal wieder temporären) Tod zu folgen. Als der Plan schief geht, ist Damon dem (dieses Mal vielleicht sogar endgültigen?) Tod geweiht. Die Abschiedsszene zwischen den beiden, getrennt durch zwei Welten, ist stark geschrieben und stark gespielt. Obwohl Damon einst zu meinen Lieblingscharakteren gehörte und mit einigen Abstrichen das eigentlich immer noch ist, hoffe ich inbrünstig, dass er nicht mehr zurückgeholt werden kann. Eine weitere Fortsetzung dieser quälenden Beziehung wäre nicht auszuhalten, sie hätte vielmehr mit diesem Ende einen noch halbwegs würdigen Schluss bekommen. Auch die Endgültigkeit des Todes, der in dieser Staffel immer ausgetrickst werden konnte, täte der Serie gut. Und letztlich sind alle Geschichten um Damon erzählt. Lasst ihn in Frieden ruhen.

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