Girls 3x07

6 von 9 Punkten

Die stärksten Episoden der meisten Serien sind die, in denen alle Hauptcharaktere in einem geschlossenen Raum sind und sich miteinander auseinandersetzen müssen. So auch in dieser Folge „Girls“, in der die sich die vier Mädels endlich mal ehrlich sagen, was sie voneinander halten. Und das ist nicht gerade rosig.

We’re so disconnected now, I thought this would be a nice opportunity for us to have fun together and prove to everyone via Instagram that we can still have fun as a group,

Diese Aussage von Marnie, die sich in dieser Folge in eine albtraumhafte Martha Stewart verwandelt hat, zeigt, was mit ihrer Denkweise alles schief läuft. Einerseits hat sie zwar das hehre Ziel, die Gruppe wieder zusammenzubringen, damit sie sich aussprechen (Schlagwort „healing“), andererseits aber geht es ihr mal wieder zu sehr um die Repräsentation nach außen.

Angesichts der Erwartungshaltung und ihren Vorbereitungen kann ich Marnies Enttäuschung verstehen, als die anderen herzlich wenig Interesse am „healen“ zeigen und Hannah sogar lieber Elijah und seine Freunde einlädt und somit tiefgründige Gespräche unterbindet. Und dass sich alle beim Abendessen über sie lustig machen, ist auch nicht gerade die feine englische Art. Ansonsten dümpeln die ersten zwanzig Minuten eher vor sich hin. Die „Clique“, die nie eine Clique war (vergessen wir nicht, dass beispielsweise Marnie und Jessa sich nicht ausstehen können) findet so leicht nicht wieder zusammen. Nur Hannah und Marnie führen ein furchtbar aufgesetztes Gespräch, das allen Ernstes in „I love you“-Bekundungen endet. Da fragt man sich doch, wie denn das Bild von sich selbst der beiden ist. Merken sie überhaupt, wie falsch sie sind?

So sehr ich mich freue, Elijah wiederzusehen und so sehr ich erleichtert bin, dass es um ihn und Hannah kein größeres Drama, sondern eine schnelle Versöhnung gibt, so ist es trotzdem schade, dass durch seine Anwesenheit die Konfrontation zwischen den vier „Girls“ lange auf sich warten lässt. Ein Wochenende nur mit den vier Mädels hätte ich persönlich spannender gefunden. Der Beziehungskonflikt zwischen Elijah und seinem neuen Freund (Randbemerkung: Danny Strong hat in gefühlt jeder populären Serie einen Gastauftritt) will auch nicht recht in die Stimmung der Folge passen.

„I don’t feel like being honest.“ – „Why not? Being honest is fun.“

Auch wenn die ersten zwanzig Minuten der Episode ganz witzig anzusehen sind, so kommt es erst am Ende zum erhofften „Showdown“. Es bedarf nur genügend Alkohol und Anspannung in der Luft, damit sich alle endlich mal die Wahrheit sagen. Und diese Wahrheit ist so bitter und doch so realistisch und klasse dargestellt, dass ich am liebsten die ganze Auseinandersetzung zitieren würde.

Was genau ist mit Hannah los? Hannah scheint lieber in ihrem Wolkenkuckucksheim zu leben: Erst lädt sie die Jungs ein, um bloß dem eigentlichen Grund für Marnies Einladung zu entfliehen, dann führt sie das aufgesetzte, halbherzige Gespräch mit ihrer ehemals besten Freundin und zuletzt gibt sie zu, dass sie NICHT ehrlich sein möchte. Und so ist es überraschenderweise Shoshanna, die den Anfang macht – und kein Blatt vor den Mund nimmt. Hannah ist für sie der narzisstischste Mensch, den sie kennt, auch Bezeichnungen wie „menatlly ill“ und „miserable“ fallen. Uff! Natürlich wissen wir, dass sie damit nicht Unrecht hat, aber diese Wortwahl ist wirklich harsch. Ein weiteres Thema, das schon lange an ihr zu nagen scheint, ist der Umstand, dass sie nie als vollwertiges Mitglied in diesem merkwürdig anmutenden Freundeskreis akzeptiert wurde. Hannah, Jessa und Marnie als „fucking whiny nothings“ zu bezeichnen ist allerdings schon mehr als nur geäußerte Kritik, das ist ganz schön gemein. Auch ihre eigene Cousine Jessa behandelt sie abfällig, während sie Marnie („tortured by self-doubt and fear“) zwar treffend, aber ebenfalls verletzend, analysiert.

Kaum hat sie den Anfang gemacht, sagen alle endlich die Wahrheit, wobei sie sich gegenseitig in Aussagen über die anderen teils sogar unterstützen, insgesamt aber sehr harte Worte wählen. Shoshanna bekommt von Hannah Rückenwind, die sagt, dass alle vier in den letzten zwei Jahren keinen richtigen Spaß mehr miteinander hatten. Volle Zustimmung seitens der Zuschauerseite, die sich schon lange fragt, warum Hannah, Jessa, Shoshanna und Marnie überhaupt miteinander befreundet sind.

Aber auch Shoshanna bekommt ihr Fett ab. Hannah nennt sie „unstimulating“, offenbart mit dieser Kritik aber auch viel von sich selbst: Sie stellt sich, ohne es zu merken, auf eine höhere Ebene, fühlt sich intellektuell überlegen. Und auch Marnie und Hannah finden nach dem gekünstelten Gespräch zuvor im Streit endlich ehrliche Worte. Hannah fährt Marnie an, sie solle ihre Erwartungen Hannah gegenüber mindern, Marnies prompte Antwort: „I can’t lower them any further.“ Hannah teilt beleidigt aus, in dem sie sagt, dass sie von keiner ihrer Freundinnen überhaupt etwas erwartet. Beendet wird die starke Szene mit Shoshannas Feststellung, dass sie alle satt habe – was man ihr nicht verdenken kann, aber auch nicht, dass die anderen auch sie satt haben.

Dieses Streitgespräch, in dem endlich mal die Wahrheit gesagt wurde, ist seit Episoden (Staffeln?) längst überfällig gewesen. Jessa war dabei erstaunlich diplomatisch, dafür hat Shoshanna in ihrer Direktheit wie auch Gemeinheit überrascht. Wir werden sehen, ob das im Verhalten der vier etwas ändern wird oder nicht.

Alles, was am Ende bleibt ist schweigen, aufräumen und den Frust wegtanzen – gemeinsam.

Fazit

Schon seit Wochen befindet sich die Serie auf einem konstant guten Niveau, ohne jedoch eine perfekte Episode abzuliefern. „Beach House“ hätte besser funktioniert, wenn sich die Folge ausschließlich um Hannah, Shoshanna, Jessa und Marnie gedreht hätte, ohne die Emotionen durch den Fremdeinfluss der Jungs zu deckeln. Auch wenn ich mich darüber freue, Elijah wiederzusehen, hätte die Wiederkehr noch eine Woche auf sich warten lassen sollen, damit sich die vier Mädels mehr als in nur einer Szene miteinander beschäftigen müssen. So vertun die Serienproduzenten die Chance, aus einer guten Folge eine großartige zu machen.

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