Girls 4x03

9/9

Die Folge dieser Woche überrascht gekonnt mit alten wie neuen Konstellationen und konzentriert sich glücklicherweise nicht mehr ausschließlich auf Hannah.

“And when you let that go… what was that like?“ – “It was the biggest relief in the world.”

Hannah ist immer noch nicht in Iowa angekommen und scheint an ihrem Workshop keinen Spaß zu haben (was zum Teufel soll denn eine “pre-writing phase“ sein? “Pre-writing“?!!). Sie gibt auch zu, dass nicht sie, die große Autorin, sondern Marnie auf dem College ihre Hausarbeiten geschrieben hat. Hannah kommt schon nach wenigen Wochen ins Grübeln, ob der Workshop das Richtige für sie ist. Die Quintessenz des Gedankens ist aber: Wenn aber der große Traum jedes angehenden Schriftstellers in Amerika, der Writer’s Workshop, nicht das Richtige ist, dann ist vielleicht nicht nur der Workshop nicht das Richtige, sondern das Schreiben selbst.

Anders als Elijah, der bereits die halbe Stadt zu kennen scheint, tut sich Hannah nach wie vor schwer damit, neue Freunde zu finden. Sie bemüht sich aber auch nicht sonderlich, wie die tragisch-komische Szene mit ihren Kommilitonen beweist. Zwar gewinnt sie in dem Gespräch zunächst ein bisschen an Boden, als sie das Wunderkind D. August daraufhin weist, dass er nur männliche Autoren aufzählt. Beflügelt von der Zustimmung der anderen übertreibt Hannah aber wieder und sagt jedem auf den Kopf, wie sie ihn oder sie einschätzt. Und das ist nicht gerade schmeichelhaft. Es ist ganz schön arrogant zu glauben, nach so kurzer Zeit alle Kollegen durchschaut zu haben, doch bei dem ein oder anderen mag sie mit ihrem Urteil nicht einmal falsch liegen. Nur erhärtet sie durch ihre überhebliche und noch dazu betrunkene Art die Fronten zwischen ihr und den Teilnehmern des Workshops, die sie als Lindsay Lohan abstempeln.

Die weisesten Worte sagt ausgerechnet Mr. Oberflächlichkeit Elijah, der Hannah auf die Spur bringt, dass sie sich vielleicht eine andere Passion suchen oder aber die Illusion verlieren sollte, dass die eigene Profession keine harte Arbeit sei. Ich bezweifle ja sehr, dass wir Hannah noch lange in Iowa erleben werden, wenn sie keine 180-Grad-Wende macht. Nur was bleibt von Hannah übrig, die sich immer über ihr Schriftstellerdasein definiert hat, wenn sie wieder nach New York zurückkehrt?

“I’m not supposed to be someone’s mistress.”

Nachdem Marnie bis auf wenige lichte Momente während der gesamten Serie bisher eine wandelnde Peinlichkeit war, überrascht sie dieses Mal mit erstaunlich reifem Verhalten. Das wirkt zwar zuerst nicht so, weil sie sich ausgerechnet bei Ray, von dem sie wissen sollte, dass er in sie verknallt ist, ausheult. Immerhin scheint sie aber zu erkennen, dass Ray sie anders als Desi nicht ausnutzt. Wer weiß, möglicherweise haben die beiden langfristig gesehen doch eine Chance miteinander. Gegensätze ziehen sich an –die beiden harmonieren sehr gut miteinander. Ray hat sich zu dem reifsten Mitglied dieses skurrilen “Girls“-Freundeskreises gewandelt, der Marnie geduldig zuhört und später seine Freunde zwar vom Polizeirevier abholt, ihnen aber auch gründlich den Kopf wäscht.

Desi zeigt sich in dieser Folge von seiner unsympathischsten Seite und ist weiterhin nicht um Ausreden verlegen, um sich nicht von Clementine trennen zu müssen. Marnie hingegen redet wie eine Erwachsene (ja! Marnie! Wie eine Erwachsene!) mit ihm über ihr Verhältnis zueinander und hat außerdem klare Vorstellungen von ihrer Zukunft. Es ist wirklich mal an der Zeit, dass Marnie in einem positiven Licht dargestellt wird. Wer hätte gedacht, dass das überhaupt noch möglich sein würde. Trotzdem laugt die zähe Kombination aus Marnie und Desi, vor allem, wenn es nicht um die Karriere, sondern die Liebesgeschichte geht, die Zuschauer doch ziemlich aus. Wobei ich persönlich auch auf die nichtssagenden Lieder sehr gerne verzichten würde.

“Adam I really need you to be my friend.”

Das neueste Freundschaftspaar, mit dem niemand gerechnet hätte, sind diese Woche Adam und Jessa, die sich durch die regelmäßigen Treffen bei den Anonymen Alkoholikern annähern. Das funktioniert erstaunlich gut, bis Jessa durch ihr Verhalten verschuldet, dass beide verhaftet werden. Auch nüchtern ist Jessa noch lange nicht brav oder rational, sondern wie gehabt ein kaputter Mensch, nur dass ihr Verhalten jetzt keiner mehr auf den Alkoholismus schieben kann. Adam erkennt schneller als Hannah, dass er sich lieber von ihr fernhalten sollte, wenn er nicht öfter in vergleichbare Situationen geraten möchte. Jessa, die schon genug Leute vor den Kopf gestoßen hat, bemerkt auch dieses Mal ihr eigenes Fehlverhalten und zeigt sich von ihrer verletzlichen Seite, die sie sonst so gerne überspielt. Ja, Jessa ist alleine. Wer sollte auch noch mit ihr befreundet sein wollen? Leider hat Jessa schon öfters Reue gezeigt, ohne dass sich daraus eine dauerhafte Änderung ihrer Einstellung ergeben hätte. Dank der phantastischen Jemima Kirke vergibt man Jessa in diesem Moment aber erneut ihre Fehler. Ich persönlich hoffe ja, weitere Szenen mit ihr und Adam erleben zu dürfen. Die Chemie der beiden Charaktere (und der tollen Schauspieler!) ist unbestreitbar – solange sie als Freunde agieren und keiner auf die dämliche Idee kommt, ihnen eine Affäre anzuhängen.

“This was really just a trial interview.“

Den Vogel schießt diese Woche Shoshanna ab, die sich eiskalter und manipulativer verhält, als man ihr je zugetraut hätte. Da verläuft das Vorstellungsgespräch bei Ann Taylor Loft so gut, wie es sich kein Mensch in seinen wildesten Träumen erhoffen würde, und dann lehnt Shoshanna mit der Begründung ab, dass dies nur ein Testlauf für eine bessere Stelle gewesen sei. Da muss man erstmal schlucken über so viel Berechnung. Ich würde jede Wette eingehen, dass Shoshanna mit dieser Einstellung eine üble Bruchlandung landen wird und wieder angekrochen kommt, um diesen Job doch noch zu bekommen. So nebenbei: Wann haben wir Shoshanna eigentlich das letzte Mal in einer echten Interaktion mit ihren Freunden erlebt? Sie scheint ziemlich isoliert zu sein.

Fazit

Den Fokus diese Woche auf New York zu setzen war eine goldrichtige Entscheidung. Die Folge ist unterhaltsam und bringt in der vermeintlich leichtfüßigen Erzählweise neue Facetten und Perspektiven auf zukünftige Handlungsstränge. Die dritte Folge bringt die aktuelle Staffel endlich richtig ins Rollen und wirft viele Fragen auf: Schmeißt Hannah den Workshop? Bleibt Marnie bei ihrem neuen, angenehmen Wesen? Was wird aus Shoshannas beruflicher Zukunft? Und werden Adam und Jessa wirklich Freunde?

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