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Das letzte Buch, das ich für Suhrkamp empfohlen habe

Buchtipp: Sergio Álvarez – 35 Tote, Suhrkamp, 2011

„35 Tote“ ist ein Roman des kolumbianischen Autors Sergio Álvarez. Der Titel ist irreführend – auf den ersten Seiten gibt es nicht nur 35, sondern gleich mehrere hundert Tote. Der Roman beschreibt vielmehr 35 tote Jahre und erzählt die Geschichte Kolumbiens von 1965 bis 2000. Ein namenloser Held wird durch diese Geschichte geschickt und landet unter anderem im Drogenmilieu, bei den Paramilitärs und beschreibt zahlreiche historische Begebenheiten.

Der Roman fungiert als Spiegel der kolumbianischen Gesellschaft und ist mit einem Wandgemälde Diego Riveras zu vergleichen: Egal, wo man ihn aufschlägt, zeigt sich einem immer wieder ein neues Bild. Trotz der schrecklichen und zugleich wahren Ereignisse, die Álvarez erzählt, ist der Roman leichtfüßig und vital geschrieben. Ich bin öfter in Kolumbien und kenne das Land gut, aber die Lektüre des Buchs hat mir für vieles die Augen geöffnet und mir klar gemacht, was es bedeutet, in diesem Land zu leben. Ich finde es toll, wenn Literatur genau das schafft: Dass wir die Dinge aus einer anderen Perspektive sehen.

Den einzelnen Kapiteln sind übrigens Liedzeilen vorangestellt. Während der Bearbeitung des Romans schickte mir Sergio Álvarez die jeweiligen Songs, was half, „35 Tote“ noch besser zu verstehen.

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