Girls 5x01

Champagner – nach monatelangem Entzug sind die Girls wieder da! Champagner – es steht eine Hochzeit bevor! Und Champagner – die Auftaktepisode vereint alle Elemente, die diese Serie so großartig machen.

„Your dress is light, so we’ve got to weight it down on the face.“

Der Tag der Hochzeit von Marnie und Desi ist tatsächlich gekommen. Nachdem Desi seine Verlobte im Finale der vorherigen Staffel bei einem wichtigen Auftritt im Stich ließ, haben sich die beiden offensichtlich wieder zusammengerauft. Das Zerwürfnis bleibt unerwähnt, der Fokus der Folge liegt ganz auf den Hochzeitsvorbereitungen kurz vor der Zeremonie.

Marnie verhält sich an ihrem großen Tag allen Erwartungen entsprechend wie eine Dramaqueen. Man muss ihr zugutehalten, dass sie für ihre Verhältnisse ihre Hysterie halbwegs im Zaun hält. Dabei gibt es gleich mehrere Konstellationen, die Konfliktpotential bergen: Fran und Adam treffen aufeinander, auch Ray und Desi sollten lieber nicht im gleichen Raum sein und dann gibt es natürlich noch den Klassiker, der schon lange nicht mehr in Interaktion getreten ist: Marnie und ihre Mutter, die ihre Meinung nicht zurückhält. „Honestly, you look like a Starbucks cup“, knallt sie ihrer Tochter an ihrem Hochzeitstag vor den Latz und hat damit recht– großartig! Für gekonnte Slapstick-Einlagen sorgt nebenbei auch Marnies Visagistin, die das Kunststück vollbringt, sogar Allison Williams‘ Gesicht zu verunstalten und Marnie ganz im Stile einer Bühnen-Transe zu schminken.

Was sich am Ende der vierten Staffel bereits abzeichnete, wird in der Auftaktepisode fortgesetzt: Jessa ist inzwischen zu einer Person geworden, die einen kühlen Kopf bewahrt und Krisensituationen unter Kontrolle bringt. Und so rettet sie im Handumdrehen das Make-up der Braut und ihrer Brautjungfern. Doch selbst Jessa ist vor Kontrollverlust nicht gefeit – zwischen Adam und ihr bahnt sich mehr als „nur“ eine Freundschaft an. Hätte das wirklich sein müssen? Wie die meisten Serien hat auch „Girls“ leider ein Problem damit, Männer und Frauen ohne Subtext befreundet sein zu lassen. Auf diese Art der Beziehung hätte man gut und gerne verzichten können. Zumindest wurde langsam darauf hingearbeitet, womit diese neue Entwicklung zwischen Jessa und Adam nicht unlogisch oder übereilt wirkt. Ob das gut gehen kann, werden die nächsten Folgen zeigen.

„You’ve bailed seven times, don’t make it eight!“

Es ist wirklich sehr erfreulich, dass es Hannah gelungen ist, Fran an ihrer Seite zu halten. Fran hat sich innerhalb kürzester Zeit zu dem Sympathieträger der Serie entwickelt. Er ist erfrischend normal und freundlich, ohne so neurotisch, unsicher und egoman wie die anderen Figuren zu sein. Damit stellt er den perfekten Ausgleich zu Hannah und ihren Freunden dar. Ein wenig merkwürdig mutet an, dass seit dem Ende der vierten Staffel über ein halbes Jahr vergangen ist (wir erinnern uns: In der letzten Folge waren Fran und Hannah im Schnee zu sehen, außerdem erfährt der Zuschauer, dass Shoshanna bereits seit sieben Monaten in Japan lebt), aber keiner Fran wirklich zu kennen scheint und die Unterhaltungen nahtlos an 4×10 anknüpfen. Trotz der langen Zeit ist die Begegnung von Adam und Fran unangenehm; Desi erinnert sich nicht einmal an seinen Namen (wobei das auch Desis Charakter zuzuschreiben ist) und Rays „väterliches“ Gespräch mit Fran wirkt ebenfalls merkwürdig anachronistisch.

In dieser Folge kommt ein pikantes Detail von Desi an die Öffentlichkeit: Er ist bereits zum achten Mal verlobt. Richtig überraschend ist diese Enthüllung allerdings nicht, immerhin hatte Desi nach gefühlten fünf Minuten Beziehung und nur um einen Streit zu beenden, Marnie einst den Antrag gemacht. Desis Panikattacke folgt die großartigste Szene dieser gelungenen Folge, in der Ray und Desi unsinnigerweise im Teich miteinander diskutieren und Ray ungewollt Desi wieder auf den richtigen Pfad bringt. Desi beweist mit jeder Folge, dass er durch und durch ein douchebag ist. Und endlich muss die schauspielerische Leistung von Ebon Moss-Bachrach gewürdigt werden der es schafft, diese peinliche Figur so ernst und ironiefrei und dadurch glaubwürdig zu spielen. „I am that destiny!“ – grandios!

In dieser Folge werden wir wieder Zeuge einer dieser seltenen, aber echten Momente zwischen Marnie und Hannah, bei denen sie ehrlich und einfühlsam miteinander umgehen und damit die Zuschauer, aber ganz bestimmt auch sich selbst, wieder daran erinnern, warum die beiden überhaupt miteinander befreundet ist. Hannah bringt ihre eigenen Bedenken auf den Punkt: Die Hochzeit ist nicht nur für Marnie ein großer Schritt, sie bedeutet genauso für ihre Freundinnen, dass sie sich unaufhaltsam weiter in Richtung Erwachsenenleben bewegen.

Die eigentliche Zeremonie ist in der Folge nicht zu sehen. Ob die Hochzeit wirklich vollzogen wird, ohne dass Desi kalte Füße bekommt oder Ray plötzlich beschließt, nicht für immer schweigen zu wollen, werden wir erst in der nächsten Folge erfahren. Trauung und somit Ehe scheinen aber unter einen guten Stern zu stehen: Es hört rechtzeitig auf zu regnen.

Fazit

Die Auftaktepisode der fünften Staffel beinhaltet alle Komponenten, die „Girls“ zu einer der besten Serien des US-amerikanischen Fernsehens machen: Herzschmerz, verbotene Lieben, Slapstick, Konflikte, Freundschaften und Zukunftsängste. Endlich, endlich, die Girls sind zurück! Champagner!

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