Girls Staffel 4

Während im US-amerikanischen Fernsehen derzeit die fünfte Staffel „Girls“ läuft, können sich die Fans in Deutschland zumindest über die vierte Staffel freuen. Die wurde kürzlich auf DVD veröffentlicht und verspricht wieder Mitfiebern und Fremdschämen vom feinsten!

Inhalt

Hannah wagt den Schritt und zieht nach Iowa, um an der dortigen Universität am renommierten Iowa Writers‘ Workshop teilzunehmen. Die große Ehre, dort angenommen zu werden, schlägt bald um in tägliches Mühsal: Hannah muss ihren Lebenstraum neu überdenken – und ist dabei ganz auf sich allein gestellt: Adam hat eine neue Freundin und zugleich zerbricht die Ehe ihrer Eltern. Shoshannas Zukunft ist sogar noch unsicherer als Hannahs: Nach ihrem College-Abschluss findet sie, nicht zuletzt bedingt durch ihr forsches Auftreten, keinen Job. Marnie und Desi hangeln sich unterdessen auf der Karriereleiter nach oben: Mehrere Leute aus dem Musikbusiness interessieren sich für das Singer/Songwriter-Duo. Und auch privat kommen sich die beiden näher.

Ausgerechnet Jessa mausert sich in der vierten Staffel zu einer verlässlichen Frau, die in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt. Während sie zu Beginn der Season noch Adams und ihre Verhaftung zu verschulden hat, nimmt sie in der letzten Folge bei der Geburt von Adams Nichte die Zügel in die Hand. Die wohl größte Veränderung macht aber Ray durch: Dank Shoshanna schafft er es, seine Wut zu kanalisieren und beginnt, sich in der Lokalpolitik zu engagieren.

Rezension

„Girls“ geht bereits ins vierte Jahr – und ist kein bisschen alt geworden. Die Serie gehört zu den wenigen, die sich trotz des hohen Niveaus der Auftaktstaffel jedes Jahr ein wenig steigern. Auch in dieser Staffel lässt es sich die Serie nicht nehmen, auf schonungslose Weise die Unzulänglichkeiten ihrer Protagonistinnen darzustellen. Die Mädels sind gewohnt narzisstisch, egozentrisch und anstrengend und dennoch gelingt es ihnen, sich allen Widrigkeiten zum Trotz Schritt für Schritt weiterzuentwickeln und erwachsen zu werden. Was zunächst wie Stagnation oder gar Rückschritt wirkt, bringt die vier langfristig weiter. Auch ihre männlichen Gegenparts haben in der Season genug Raum für eigene Geschichten, um sich unabhängig von den Girls zu entfalten.

Hannah macht die größte Wandlung durch – weniger, was ihre Person betrifft, aber zumindest revidiert sie ihr Ziel, Schriftstellerin zu werden. Ausgerechnet Elijah bringt sie darauf, dass nicht der Workshop, sondern der Traum selbst der Denkfehler ist. Doch wer ist Hannah, die sich in ihrer Selbstwahrnehmung immer als Künstlerin gesehen hat, wenn sie gescheitert nach New York zurückkehrt? Lena Dunhams Talent als Schauspielerin und Drehbuchautorin ist zu verdanken, dass diese Wende in Hannahs Leben eine logische Konsequenz ihrer Weiterentwicklung und kein radikaler Bruch mit der Figur ist. Auch die Trennung von Hannah und Adam, die trotz ihrer vielen Höhen und Tiefen bisher die Konstante der Serie waren, schadet der Serie nicht und treibt Hannahs Reifeprozess voran. Adam hingegen ist auf die neue Situation gestellt, mit einer Frau zusammen zu sein, die ein selbstständiges Leben führt. Doch während Hannah in die Zukunft schaut, ist es zum ersten Mal Adam, der sich im Kreis dreht.

Im Kreis dreht sich auch Shoshanna, die durch ihre zu direkte Art sämtliche Karrierechancen verbaut und aus Flucht vor der Langeweile beginnt, Ray in seiner Wahlkampfkampagne zu unterstützen. Ray, der bisher zumeist als Anhängsel von Shoshanna beziehungsweise Marnie wahrgenommen wurde, läuft in seiner neuen Rolle als Lokalpolitiker zur Höchstform auf. Es ist eine sehr positive Entwicklung, dass in Staffel vier dieser ungewollt komische, tief im Herzen aber freundliche Charakter mehr Spielraum bekommt. Auch für Marnie und Jessa geht es voran: Während die eine ihre Musikkarriere ausbaut und am Ende vielleicht ihre Unabhängigkeit entdeckt, macht die andere wie Hannah einen großen Wandel durch und findet schließlich berufliche Perspektiven.

Staffel vier beweist erneut, wie großartig die Schauspieler, Produzenten und Drehbuchautoren, kurz das ganze „Girls“-Team, sind: Mühelos gelingt es ihnen, den Figuren treu zu bleiben und sie trotzdem nicht auf der Stelle treten zu lassen. Auch diese Staffel gehört in jede gut sortierte DVD-Sammlung.

Specials

Schade – besonders viel Mühe hat sich Warner Home Video mit den Extras für die vierte Staffel nicht gegeben. Sie fallen überschaubar aus: Zu jeder Episode gibt es Audiokommentare von Cast und Crew. Wem das zu müßig ist, der bekommt in zwei- bis dreiminütigen Videos in der Rubrik „Hinter den Episoden“ Informationen und Gedanken von Lena Dunham zu der jeweiligen Folge. Das war’s dann auch. Ach ja, es gibt einen Rückblick auf Staffel 3, was leider nur einer kurze Zusammenfassung von sage und schreibe sechzig Sekunden entspricht. Was die Specials angeht ist wahrlich noch Luft nach oben.

Technische Details

Erscheinungstermin:  18. Februar 2016
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Laufzeit: 261 Minuten (10 Episoden)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Untertitel: Deutsch, Dänisch, Englisch für Hörgeschädigte, Finnisch, Französisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch, Schwedisch
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch (alle Dolby Digital 5.1), Polnisch (Dolby Digital 2.0)

Fazit

Bedingt durch die überschaubare Auswahl des Bonusmaterials wirkt die Aufmachung der vierten Staffel auf DVD recht lieblos. Nichtsdestotrotz sei sie jedem wärmstens ans Herz gelegt: „Girls“ gehört ohne Zweifel zu den besten Serien, die derzeit im Fernsehen laufen. Und diese Staffel beweist, dass „Girls“ auch nach vier Jahren keine Altersschwäche hat. Im Gegenteil: Die vierte ist erneut eine frische, lebendige und originelle Staffel der Brooklyner Mädels.

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