500 Euro

Ibiza-Stadt – Die weiterhin in die Höhe schießenden Immobilienpreise sorgen für Erfinderreichtum unter den geldgierigen Vermietern. Die Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt nimmt immer absonderliche Seiten an, wie die aktuellsten Beispiele beweisen: Im Internet finden sich Anzeigen, in denen ein Balkon vermietet wird – für 500 Euro. Zu teuer? Wie wäre es mit einer Matratze, montiert unter einer Terrasse, kostet ja nur 400 Euro und immerhin gibt es sogar einen Plastikschutz! Und für unschlagbare 300 Euro darf man es sich auf einer Matratze im Wohnzimmer gemütlich machen – Küchen- oder Badbenutzung sind im Preis nicht inbegriffen, versteht sich.

Diese real existierenden Angebote sind nur das i-Tüpfelchen der Probleme, mit denen die Menschen auf Ibiza bei der Wohnungssuche zu kämpfen haben. Das mangelnde Angebot an Wohnungen führt dazu, dass viele Stellen nicht mehr besetzt werden können. Zwischen Luxus- und Ferienwohnung ist es auf Ibiza leichter, einen Job zu finden, als ein WG-Zimmer oder gar Häuschen. Wer auf der Insel bleibt, muss mit einem durchschnittlichen Mietpreis von 1.600 Euro im Monat für eine Unterkunft rechnen. Viele Ibizenken sehen sich inzwischen gezwungen, bei Familie und Freunden um Hilfe zu bitten. Andere, besonders die Arbeiter, die für die Sommersaison nach Ibiza kommen, greifen zu drastischeren Mitteln: Das eigene Auto, ein Zelt und sogar Vestibüle von Banken werden zum Schlafplatz umfunktioniert.

Von den Bürgern wird vor allem bemängelt, dass es keinerlei Einschreiten und Regulierung seitens Hacienda, dem Ministerium für Finanzen und öffentliche Verwaltung, gibt. Die Tatsache, dass oft keine Verträge aufgesetzt werden und die Miete mit Bargeld oder auf ausländische Konten entrichtet wird, ignorierte Hacienda bisher. Vor allem die Ferienapartments für Touristen verschlimmern die sowieso schon prekäre Situation auf dem Wohnungsmarkt. Gleichzeitig beklagen Hoteliers trotz steigender Touristenzahlen, dass die Auslastungen ihrer Hotels stagnieren – die Besucher der Insel ziehen es immer häufiger vor, eine temporäre Wohnung anzumieten als ein Hotelzimmer (vgl. IBIZA KURIER Ausgabe 31).

Auf Onlineportalen wird derzeit ein monatlicher Mietpreis von 1.500 Euro pro 50 Quadratmeter während der Hochsaison von März bis Oktober verlangt, während eine Nacht in einem Privatzimmer 80 Euro kostet. Inzwischen hat Hacienda beschlossen, zu handeln, und zwei Kontrolleure auf die Insel zu schicken, die die Anklagen einer Facebook-Gruppe gegen die exorbitanten Mieten untersuchen sollen.

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