94Ibiza-Stadt – Die prekäre Situation auf dem Wohnungsmarkt Ibizas geht auf Kosten der Schwächsten. Ein besonders schockierender Fall erregte jetzt die Gemüter: Eine 94jährige Witwe, die sechzehn Jahre lang in einer Wohnung in der Straße León in Ibiza-Stadt gelebt hatte, wurde auf die Straße gesetzt.

Die ältere Frau lebt von 600 Euro Rente im Monat, wovon sie allein 300 Euro Mietkosten zu begleichen hatte – ohne damit die Nebenkosten bezahlt zu haben. In einem offenen Brief erklärte sie: „Ich bin auf Hilfe und Zuschüsse angewiesen, obwohl ich schon sehr wenig esse.“ Im Mai kam dann die Hiobsbotschaft: Von der Besitzerin der Wohnung wurde die alte Dame darüber informiert, dass sie Ende desselben Monats die Wohnung verlassen müsse und man die Miete um 267 Prozent anheben würde. „Heutzutage versuchen die Eigentümer, das Maximum an Gewinn zu machen, vor allem, wenn der Sommer naht. Es ist ihnen gleich, wer in der Wohnung lebt“, so die Dame, die seit 1969 auf Ibiza residiert.

„Vergangenen September stürzte ich schwer und beschädigte dadurch meine Wirbelsäule. Ich musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Obwohl bedingt durch mein fortgeschrittenes Alter keine Möglichkeit besteht, wieder vollständig zu genesen, wurde ich entlassen.“ Im letzten Dreivierteljahr konnte sich die ältere Dame innerhalb der Wohnung nur noch mit einem Rollator, außerhalb sogar nur noch im Rollstuhl bewegen. Sie habe sich für einen Platz im Pflegeheim beworben, so die Witwe. „Die Warteliste ist aber sehr lang, es dauert ein bis anderthalb Jahre, bis ich mit einer Benachrichtigung rechnen kann – die ich am Ende auf dem Friedhof bekomme.“

Sie wolle mit diesem Brief die Öffentlichkeit auf die Situation der älteren Bevölkerung Ibizas aufmerksam machen: „Wenn die Wohlfahrt sagt, dass sie mit Anfragen überlaufen wird, ist das keine Lösung, sondern eine Entschuldigung.“

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