Höchst – für nicht wenige Frankfurter klingt das nach einer halben Weltreise. Weit gefehlt! Die Straßenbahn fährt uns bequem vor die Eingangstür des Restaurants Kekik. Im unauffällig eingerichteten Gastraum finden wir schnell ein Plätzchen am Fenster. Der junge, freundliche Kellner ist geschwind mit unseren relativ kühlen Efes-Bieren zurück (0,33 l zu 3,50 €) und serviert kurz darauf den Gruß aus der Küche, Olivenöl und eine pulvrige Mischung. Er ist sichtlich darauf erpicht, seinen Witz zu reißen: „Das sind 38 verschiedene Gewürze – wer alle erkennt, bekommt die Rechnung aufs Haus!“

Wir bemühen uns gar nicht erst und tunken das warme, geschnittene Fladenbrot abwechselnd in Öl und Gewürze, als auch schon die Vorspeise kommt: Tumbakçe ist mit 7,90 € wahrlich nicht günstig, dafür umso empfehlenswerter. Das pikante Weißkäsemus mit Knoblauch, Zwiebeln, Gewürzen und scharfer Paprika entpuppt sich als perfekte Vorspeise und überzeugt durch seine vielfältigen Aromen.

Bei der umfangreichen Karte ist es nicht leicht, sich für zwei Hauptspeisen zu entscheiden. Interessant ist die kleine historische Einführung, die das Kekik zusammengestellt hat: Jedes Gericht ziert eine Jahreszahl, die angibt, wann es zum ersten Mal in Schriftstücken erwähnt wird. Weniger nett finden wir aber die Preise: Sowohl Beğendili Kuzu Incik als auch Tirit Kebabı und nahezu alle Hauptgerichte kosten stolze 19,50 €. Das Kuzu, „eine Köstlichkeit, der die Sultane nicht widerstehen konnten“, ist eine im Backofen gegrillte Lammhaxe mit Mus aus türkischem Kaschkavalkäse, mit geräucherter Aubergine und Reis nach Art des Hauses. Das Lammfleisch ist butterzart, hätte aber einen beherzteren Einsatz von Gewürzen vertragen und auch der Kekik-Reis, der optisch zwar mit einer kräftig gelben Farbe lockt, ist erstaunlich fade.

Das Tirit war, so verrät es die Karte, das Lieblingsessen der Seldschuken. Wir konsultieren Google und erfahren, dass die Seldschuken eine türkische Dynastie waren, die vom 11. bis zum 13. Jahrhundert ganz Vorderasien beherrschte und tyrannisierte. Vielleicht nicht die beste Werbung? Das Gericht besteht aus Kalbfleischstreifen mit Paprika auf Joghurtsauce und Fladenbrot und erinnert somit ein wenig an İskender Kebab. Auch hier kommen Salz- und Pfefferstreuer vom Tisch zu ihrem Einsatz. Nur Mut, liebe Kekik-Küche – das Frankfurter Publikum verträgt ein bisschen mehr Würze! Immerhin: Die Portionen sind so groß, dass wir gut gesättigt auf den Nachtisch verzichten und uns lieber noch ein Efes gönnen.

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