Leidenschaft, Naivität und ein kleines Quäntchen Glück – mehr braucht es manchmal nicht, um erfolgreich zu sein, wie Dirk Modrok mit seinem Streetwearlabel ilovemixtapes beweist.

Was trägt man in den Straßen Frankfurts? Na, am besten Kleidung aus der eigenen Heimat! Die bunte Vielfalt der Stadt spiegelt sich in der Kreativität ihrer Designer wieder. Die meisten betreiben ihre Streetwearlabels als Hobby, doch der ein oder andere kann davon leben – wie zum Beispiel Dirk Modrok und sein ilovemixtapes.

„Ich war der erste Mann bei DaWanda.“

Alles begann mit einem Plattenlabel: Mehrere Jahre lang veröffentlichte Dirk Modrok auf My Favourite Toy Records Indie-, Hardcore- und Punkbands, darunter zwei Scheiben der bekannten Düsseldorfer Metaller Callejon. „Damals fing ich bereits an, T-Shirts für meine Bands zu drucken. Die Motive kamen aber noch von den Musikern“, erzählt Modrok. Nachdem er 2006 die Vinyls aufgab, gründete er im Jahr 2008 seine Streetwearmarke ilovemixtapes – ohne sich vorher viele Gedanken zu machen, learning by doing war die Devise. Kein Problem, schließlich kommt Modrok aus der Punkszene, in der man von Fanzines hin zu Bandshirts oft alles komplett in Eigenregie macht. „Ich habe mir mein Wissen über verschiedene Materialien und Drucktechniken mit der Zeit angeeignet. Heute achte ich darauf, nur noch nachhaltige Bio-Baumwolle und Fairtrade zu verwenden.“

Der gebürtige Norddeutsche, der nach Stationen in Münster, wo er sich zum Krankenpfleger ausbilden ließ, einen Job, den er übrigens nie ausübte, Düsseldorf und Mainz im Jahr 2014 schließlich in Frankfurt landete, zeichnet die Motive seiner T-Shirts, Hoodies und Beanies selbst. „Auch das habe ich mir beigebracht. Ich fing an zu zeichnen und merkte schnell: Hey, das kannst du ja!“ Inspiration findet Modrok in seiner Umgebung; ein Motiv entstand beispielsweise im Stadtwald von Nied, dem Viertel, in dem der 39jährige mit seiner Frau wohnt. Modrok bleibt pragmatisch: „Wenn ich eine Idee habe, beginne ich direkt mit dem Zeichnen – und wenn’s dann nichts wird, bekomme ich dadurch Inspiration für das nächste Bild.“ Seine Freiheit und Flexibilität lässt er sich nicht nehmen. „Bei ilovemixtapes gibt es keine zwei Kollektionen im Jahr, sondern immer dann neue Shirts, wenn mir was Gutes einfällt.“

Aber natürlich gehört ebenfalls viel Glück dazu, dass Dirk Modrok von ilovemixtapes leben kann. „Ich war der erste Mann, der bei DaWanda einen Onlineshop hatte. Dadurch wurde ich sehr gefeatured und habe große Aufmerksamkeit bekommen.“ Neben Bestellungen aus dem deutschsprachigen Raum verkauft Modrok seine Artikel, die er übrigens eigenhändig verpackt und zur Post bringt, inzwischen sogar international. „Letztens kam eine Anfrage aus Hawaii rein. Das hat mich sehr gefreut!“ In Frankfurt und Umgebung sind die Shirts bisher nur online zu erwerben. „Ich bin aber auf den meisten Märkten der Region wie dem Marché de nuit oder dem Handmade Markt im Grünen. Und viermal im Jahr mache ich in meinem Büro in Griesheim einen Lagerverkauf.“

Die Stadt auf der Brust

Ilovemixtapes ist bei weitem nicht das einzige coole Streetwearlabel aus Frankfurt. Die im Jahre 2004 gegründete Sachsenhäuser Werbeagentur Bembel designt mit ihrer Marke Kaufrauscher humorige, aber intelligente Frankfurt-Motiven wie das beliebte „Sex Mispels“-Shirt im Schriftzug der Sex Pistols. Auch das „OKO CHA“-Shirt, das an das Logo von RUN DMC angelehnt ist, sieht man häufig in den Straßen der Stadt. Kreiert hat es das Label mit dem „N“ zu viel im Namen: Die 069ner aus Griesheim.

Nicht nur stylisch, sondern zugleich sozial sind die Produkte von pe/ix – social streetlife. Das Label ist ein Projekt des Vereins Kirche in Aktion, der zum einen Prostituierte unterstützt und zum anderen mit Jugendlichen zusammenarbeitet und entsprechende Einrichtungen durch Spenden fördert. Die fair produzierten T-Shirts, Beanies und Beutel von pe/ix werden teilweise von ehemaligen Prostituierten genäht.

Dann gibt es PiaPeach TuffStuff, das die Bockenheimerin Pia Stahl im Jahr 2012 gründete. Vor allem Konsolenliebhaber werden ihren Spaß mit den T-Shirts, Jacken und Sweatshirts von PiaPeach haben – das beliebteste Motiv ist im Design der alten Gameboy-Tasten gehalten. Und ein letztes hätten wir noch, die Spatzen pfeifen es bereits von den Dächern: Stoff aus Frankfurt, die Streetwearmarke mit dem Claim „Gestaltung mit Haltung – Design von Daheim“, steht kurz vor einem Comeback. Wir freuen uns!

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