Sie organisieren kostenlose Konzerte in Bars, Cafés und Wohnzimmern. Wir haben mit Michael Nickel und Patrick Bursa, den Veranstaltern der Reihe Ohrwurm, gesprochen.

Mit Ohrwurm habt ihr hier in Frankfurt eine beliebte Konzertreihe ins Leben gerufen. Wie kam es dazu?

Michael Nickel: Ich habe Ohrwurm zusammen mit Stephan Pues gestartet, im Mai 2014 war das. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits ein halbes Jahr in der Stadt und hatte Lust, mich kulturell zu engagieren. Außerdem bin ich selbst Musiker und mehrere Freunde wollten mich endlich spielen sehen. Das erste Konzert habe ich recht spontan im Kleinen Café Schneider im Nordend organisiert. Ich war quasi die Vorband, danach trat das Trio Hurricane Box, ebenfalls Frankfurter, auf.

Patrick Bursa: Ich war damals als Besucher dabei. Das Konzert schlug richtig ein, die Musik von war toll!

Nickel: Wir haben gute Stimmung gemacht und die Band hat dann die Leute abgeholt. So fing alles an. Bereits sechs Wochen später fand das nächste Konzert statt. Und inzwischen veranstalten wir alle zwei, drei Wochen Konzerte. Das ist ein ganz schön straffes Programm, aber es macht auch Spaß!

Michael, damals hast du Ohrwurm alleine organisiert. Wann kam Patrick dann ins Boot?

Nickel: Na, eigentlich sind wir ein Team von fünf, sechs Leuten. Stephan Pues, den ich bereits erwähnt habe, ist beispielsweise auch dabei.

Bursa: Ich war als Zuschauer bei sehr vielen Konzerten dabei und jedes Mal begeistert. Dadurch habe ich das Ohrwurm-Team kennengelernt, und irgendwann fragte ich Michael einfach, ob er noch jemanden für die Organisation sucht.

Nickel: Die Leute kommen nicht nur wegen der Musik, sondern auch wegen der Atmosphäre. Bei jedem Konzert sieht man eine schöne Mischung aus neuen und bekannten Gesichtern. Es hat sich eine kleine Community entwickelt.

Bursa: Genau, viele freunden sich an, auch die Gäste untereinander. Einige gehen sogar vor den Konzerten gemeinsam Abendessen. So ähnlich war das bei uns ebenfalls. Und da Michael jetzt aus beruflichen Gründen nach Berlin geht, werde ich die Reihe weiterführen.

Was für Bands treten bei euch auf? Bevorzugt ihr eine bestimmte Musikrichtung?

Nickel: Oft sind das Singer/Songwriter, wir hatten aber auch jazzige oder poppige Musik. Wir wollen uns bewusst nicht für eine Szene entscheiden. Und inzwischen sind wir so bekannt, dass wir von Musikern angefragt werden.

Bursa: Uns ist wichtig, dass die Leute eigene Lieder machen, Coverbands interessieren uns weniger. Aber sonst sind wir für alle Musikrichtungen offen. Viele der Bands stammen aus Frankfurt oder Hessen, wir werden mitunter aber von Leuten, die auf Tour sind, kontaktiert. Dadurch hatten wir schon Musiker aus London, Hamburg und sogar Nashville bei Ohrwurm.

Nickel: Mein Herz schlägt dafür, regionale Künstler zu supporten, aber wir wollen uns auf nichts versteifen. Übrigens war einer der Gründe, warum ich mit Ohrwurm angefangen habe, das Bedürfnis der Stadt nach mehr Underground. Frankfurt ist zwar eine Weltstadt, aber es gibt hier nur wenige kleine Locations, in denen Nachwuchsbands spielen können. Und die wollen wir so gut es geht unterstützen. Eine Stiftung aus Berlin hat uns anfangs 5.000 Euro gespendet, das hat uns geholfen, um richtig gut zu starten.

Bursa: Wir suchen jetzt nach neuen Sponsoren und Förderern, um mit Ohrwurm weitermachen zu können. Schließlich zahlen wir den Künstlern eine Gage, verlangen aber keinen Eintritt.

Die Bands spielen in Bars, Cafés…

Nickel: …und manchmal in ungewöhnlicheren Locations wie bei einem Friseur. Wir waren mehrfach im Hoppenworth & Ploch, im Hinterzimmer, das jetzt leider geschlossen hat, oder im Smørgås.

Bursa: Wir kommen alle aus dem Nordend, deswegen finden da die meisten Konzerte statt. Aber wir waren schon in der ganzen Stadt, im Bahnhofsviertel beispielsweise oder im Klaane Sachsehäuser. Ich persönlich finde die semiprivaten Konzerte in Wohnzimmern aber am schönsten.

Patrick, wie wirst du Ohrwurm zukünftig weiterführen? Willst du etwas verändern?

Bursa: Es kommen bestimmt ein paar neue Locations dazu, aber generell möchte ich so weitermachen wie bisher. Die Atmosphäre ist das, was zählt, was die Leute wollen. Wir haben bisher rund siebzig Konzerte organisiert – ein bewährtes Konzept!

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