Seit Jahren kämpft der AStA für ein Studierendenhaus auf dem Campus Westend – bisher mit mäßigem Erfolg. Statt im Zentrum des Geländes soll es jetzt an der Miquelallee gebaut werden. Zentral genug, sagt die Uni-Leitung.

„Das KOZ ist ein selbstverwaltetes, politisches Projekt, durch das die Studierenden lernen, Demokratie in die Praxis umzusetzen. Vor allem in der Nachkriegszeit war das wichtig, da man sich dadurch gegen die alten, hierarchischen Hochschulstrukturen auflehnte. Aber auch heute noch spielt das Studierendenhaus eine wichtige Rolle im Uni-Alltag“, bekräftigt Valentin Fuchs die Bedeutung des Café KOZ auf dem Campus Bockenheim. Der Politik- und VWL-Student ist AStA-Vorstandsmitglied und begleitet seit 2015 den mäßigen Fortschritt des Baus eines neuen Studierendenhauses auf dem Campus Westend. Obwohl sich bis auf eine Handvoll Institute, die noch in Bockenheim zu finden sind, das gesamte Studierendenleben inzwischen im Westend abspielt, wurde dort mit dem Bau eines neuen KOZ noch nicht einmal begonnen.

Kaum Konsens zwischen AStA und Goethe-Uni

„Es ist schwierig, studentische Interessen durchzusetzen“, beklagt Fuchs. „Die Uni-Leitung hat keine Vorstellung davon, wie studentisch organisiertes Leben aussieht.“ Besonders kritisiert der AStA, dass das neue Gebäude durch ständige Verzögerung nicht im Zentrum, sondern am Rand des Campus Westend gebaut werden soll. „Das finden wir schade, denn dies wird dem Gedanken eines Studierendenhauses nicht gerecht.“ Olaf Kaltenborn, Sprecher der Goethe-Uni, hält dagegen: Zwar könne dieser Eindruck entstehen, aber der nordöstliche Teil des Campus sei derzeit im Bau, der nordwestliche noch in Planung. „Wenn das Studierendenhaus fertiggestellt wird, wird es eine günstige Lage nahe des künftigen nördlichen Hauptzugangs zum Campus sowie am zentralen Rand des Campus Westend einnehmen.“

Doch warum verzögert sich der Bau des neuen Studierendenhauses überhaupt? „Der Bauherr ist das Land Hessen“, erklärt Valentin Fuchs. „Wir haben eine Gruppe aus Architekten, der Uni-Leitung und Studierenden, die gemeinsam entscheiden. Doch egal, was wir beschließen, das Ministerium interveniert gegen die Gruppe. Das ist nicht nur frustrierend, sondern sogar undemokratisch!“ Auch innerhalb der Gruppe fehle es oft an Konsens. „Wir wollten Unisextoiletten einführen, eigentlich eine Detailfrage, die zur Sisyphusarbeit wurde. Die Leitung der Goethe-Universität hat sich sehr dagegen gewehrt.“ Olaf Kaltenborn hingegen beschwichtigt: „Im Zuge der Planung wurden für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösungen entwickelt.“

Baubeginn Anfang 2018?

Schon Max Horkheimer wusste um die Bedeutung selbstverwalteter Räume, wie er bei seiner Rede zur Eröffnung des KOZ im Jahre 1953 sagte: „Wie unendlich klein auch das Ausmaß dieses Hauses im Hinblick auf so hochgesteckte Ziele erscheint, die Wirkung dieser Zelle wird sich aufs Ganze der Universität und weiterhin erstrecken, es wird ihr Zentrum werden.“ Aber welche Möglichkeiten haben Studierende derzeit auf dem Campus Westend, sich aktiv einzubringen? Natürlich, so Fuchs, gebe es mit der Trinkhalle, dem TuCa im Exil, dem Café Anna Blume und dem Random White House, das von einer studentischen Gruppe Anfang 2016 besetzt wurde, einige Alternativen. Aber nur in letzterem können hin und wieder Veranstaltungen organisiert werden. „Man merkt, dass ein Studierendenhaus fehlt; der AStA in Bockenheim ist physisch viel zu weit von den Studierenden im Westend entfernt.“

Das neue Studierendenhaus soll mit sechs Stockwerken eine Nutzfläche von 2.600 m² haben und somit genug Raum für Diskussionsrunden, Konzerte, einem selbstverwalteten Café, Festivals und dem Kino Pupille haben ­­– sollte es jemals gebaut werden. Valentin Fuchs gibt nicht auf: „Wir hoffen, dass der Spatenstich Anfang 2018 endlich erfolgt.“ Doch obgleich die Baugenehmigung durch die Stadt Frankfurt bereits erteilt wurde, steht der Termin auf wackligen Füßen. Die Anwohner der Miquelallee fürchten Lärmbelästigung durch den Standort des neuen Studierendenhauses und haben Beschwerde eingelegt. Auch Olaf Kaltenborn erwartet, dass die Bauarbeiten im Jahr 2018 aufgenommen werden. Allerdings schränkt er ein: „Solange nicht über den Widerspruch gegen die Baugenehmigung entschieden ist, können wir keine Einschätzung über den tatsächlichen Baubeginn und die Fertigstellung geben.“

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