Es ist ein leidiges Thema: Der Wohnraum in Frankfurt ist knapp. Doch die gut 65.000 Studierenden müssen irgendwo unterkommen. Sind Luxuswohnheime bei diesem Wohnungsmangel eine Alternative?

Sie haben klangvolle Namen wie The Fizz, Bed & Brains, The Flaq oder Youniq – Luxuswohnheime für Studierende liegen im Trend. Luxus, das bedeutet, dass mitunter Zimmerservice gebucht werden kann oder der Concierge einen freundlich begrüßt. Vor allem aber bedeutet es eins: teures Wohnen.

35 Quadratmeter für 890 Euro

Das Anfang 2017 eröffnete Bed & Brains beim Campus Riedberg gehört zu den neueren Anbietern für Luxusapartments. Auf der Website wird mit dem Spruch „Platz ist nicht entscheidend“ geworben – die Wohnungen sind zwischen 19 und 36 Quadratmetern groß. Kostenfaktor für die kleinen Apartments: ab 450 Euro, die größeren sind unter 890 Euro aufwärts nicht zu bekommen. Das heißt im Klartext, dass Studierende mehr als zwanzig Euro Kaltmiete pro Quadratmeter auf den Tisch legen müssen. Auch The Fizz im Gallus fährt ähnliche Preise auf. Hier kostet das größte Einzelzimmerapartment mit 29 Quadratmetern 777 Euro. Oder wie wäre es mit dem gleich zweimal in Frankfurt vertretenen The Flag? Teilmöblierte Wohnungen von 23 Quadratmetern kann man für 540 Euro zu mieten, Nebenkosten nicht eingeschlossen. Das Youniq in der Nähe des Campus Riedberg verlangt für 19 bis 39 Quadratmeter Preise zwischen 549 bis 899 Euro – eine Aufnahmegebühr von 480 Euro muss zusätzlich gezahlt werden. Dagegen wirken die Mietpreise für die Einzelapartments von Smartments mit 520 Euro fast human. Blöd nur, dass diese im allseits ungeliebten Europaviertel liegen.

Studentenwerk Frankfurt: keine 3.000 Plätze

Kann es das gewesen sein? Zum Vergleich: Das Studentenwerk Frankfurt vermietet in der Kronberger Straße, also unweit des Campus Westends, Einzimmerapartments von 15 bis 35 Quadratmetern, die zwar unmöbliert aber mit Miniküche und Internet ausgestattet sind, für nicht mehr als 338 Euro.

338 Euro für eine kleine Wohnung in bester Lage klingt wie ein Traum – doch leider geht er nur für wenige Studierende in Erfüllung. Das Studentenwerk Frankfurt betreibt 29 Wohnheime mit rund 2.887 Schlafplätzen in Ein- oder Mehrzimmerwohnungen. Drei dieser Wohnheime befinden sich allerdings in Rüsselsheim und Wiesbaden. Das bedeutet im Klartext: Nur ungefähr jeder 25. Student in Frankfurt hat das Glück, ein solches Zimmer zu ergattern. Die Betreiber der Luxusapartments haben sich somit die wichtigste Marktlücke der Stadt zur Tugend gemacht: Wohnraum kreieren, und das um jeden Preis.

NiKa oder Westhausen – ein Blick in die Zukunft?

Was kann gegen diese prekäre Wohnsituation getan werden? Sowohl die Stadt als auch die Hochschulen und Mieter müssen sich flexibel und kreativ zeigen. Die hessische Wohngesellschaft Naussauische Heimstätte vermietet in Kooperation mit dem Studentenwerk Frankfurt zumindest vorübergehend Wohneinheiten in der Siedlung Westhausen im nordwestlichen Stadtteil Praunheim. Zwanzig bis vierzig Studierende sollen hier ab Ende des Jahres jeweils zu zweit eine Wohnung beziehen. Der Mietpreis liegt bei unter 300 Euro warm.

Einen ganz anderen Ansatz betreibt das Hausprojekt NiKa e.V., eine Gruppe von 42 Menschen aller Alters- und Gesellschaftsschichten. Sie wollen das leerstehende Bürogebäude an der Ecke Nidda- und Karlsstraße (daher auch „NiKa“) zu einem gemeinschaftlichen Wohnhaus umwandeln – mit Mietpreisen, die dauerhaft elf Euro den Quadratmeter nicht überschreiten. „Der Bauantrag ist fertig und bereits genehmigt“, sagt Sophia Tepper. Die Soziologie- und Kulturanthropologiestudentin ist Mitglied im Verein und begleitet das Vorhaben seit Beginn. „Die 720.000 Euro, die wir als Direktkredite einnehmen mussten, haben wir bereits zusammen. Im Januar soll die Sanierung beginnen.“ Über neue Mieter entscheidet zukünftig das Plenum, also alle Mitglieder der Gruppe; momentan werden keine weiteren aufgenommen. Die Gruppe Niddastern jedoch plant in unmittelbarer Nachbarschaft, in der Niddastraße 59, ein vergleichbares Projekt.

NiKa beweist: Es muss umgedacht werden. Rund 1,5 Millionen Quadratmeter Bürofläche stehen derzeit in Frankfurt leer. Vielleicht ist endlich die Zeit gekommen, diese Gebäude abzureißen, um Platz für neue Häuser zu schaffen, oder sie zu Wohnungen umzubauen.

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